Blanka? rief Theophil aus; das ist ja wohl ein weißes Windspiel, das ich vor langer Zeit hatte?

Blanka? nahm der alte Diener das Wort, indem er den Arzt prüfend betrachtete: wissen Sie von der etwas?

Anselm begegnete dreist dem stechenden Blicke des Alten, und meinte nun fast nichts mehr schonen zu dürfen. Er sagte daher: ich wünsche bloß etwas Näheres von Blanka und Raimund zu erfahren, deren trauriges Schicksal mich sehr interessirt hat.

Pankraz schlug die Augen nieder und sagte: ich weiß nichts von ihnen; aber Theophil fiel plötzlich in eine tolle Laune, hüpfte auf einem Beine herum, schwenkte den Hut und schrie halb singend: Da hinter des Priesters Garten, da ist ein Wiesenplan, da stehn rings Weiden und Birken, ein Wasser rauscht fließend daran; da schreien Kuckuck und Staare, da schaut wohl der Hirsch aus dem Busch; es ist ein liebes Plätzchen, voll Einsamkeit und Schatten genug. Da kommen in Herbstestagen, wenn welkes Laub schon rauscht, die liebe Fräulein Blanka, der Monsieur Raimund zusamm. Sie sehn sich mit weinenden Augen, sie drücken sich zärtlich die Hand; da giebt es herzig Umarmen, da finden sie wieder Verstand! — Er schrie und sang immer lauter, so daß der alte Pfarrer aufstand und rief: um des Himmels willen, junger Herr, in welcher Spinnstube haben Sie die alte Ballade wieder aufgehascht?

Das hab’ ich selbst gedichtet, jetzt eben, schrie Theophil erfreut. Pankraz, behalt’ es ja, wir wollen es nachher dem Junker vorsingen.

Ich weiß kein Wort davon, sagte Pankraz, vom Kuckuck war was in der Ode, und daß Sie gern Verstand haben möchten. Da kommt der Junker!

Ohne den Eingang zu suchen, sprang in diesem Augenblick ein junger Bursche über den Zaun, mit rothem Gesicht, ohne Hut mit Papierwickeln in den Haaren. Da sind wir wieder, schrie er ungezogen, guten Tag, Tissel, ach! Herr Pastor, wären Sie doch mit uns gewesen; da hätten Sie disputiren können!

Wo wart Ihr, lieber Görge, fragte Theophil.

Ach! liebster Freund, fuhr dieser jubelnd fort, unsre ganze Familie hat seitdem an den Narren dort den Narren gefressen; nur die Mama will nichts davon wissen, und ist auf uns alle, vornehmlich auf den Papa böse, daß er uns so ein schlechtes Beispiel giebt.

Mein lieber Junker, sagte der Pfarrer sehr ehrbar, mit Narren würde ich niemals disputirt haben; denn sie haben keine Logik.