Ach, mein Herr, sagte der Diener, wir sind schon einige Zeit von unserm Prediger entfernt —
Das wissen wir, unterbrach ihn der Arzt, und auch den saubern Grund, weil der gute Pankraz uns nicht gern dort treffen wollte. Doch das wird sich Alles finden!
Nun kann ich meinen Herrn, fuhr der Diener fort, nachdem er den Arzt ein Weilchen mißtrauisch angesehn hatte, so ziemlich regieren; er folgt mir in wichtigen Sachen immer, wenn er auch murrt, und hat mehr Respect und Furcht vor mir, als vor dem Herrn Prediger selbst; aber an einem einzigen Tage im Jahr ist er durchaus nicht zu bezwingen; an seinem Geburtstage nämlich; da muß ich ihm in allen Dingen seinen Willen thun, wenn ich ihn nicht wüthig machen soll. Heut ist der Unglückstag, und da faßte er schon vorige Woche den Gedanken, ich müßte heut als Herr angeputzt seyn, und er wollte meinen Bedienten vorstellen. Ich bat und flehte; aber umsonst. Ich wollte wenigstens den Spaß auf dem Lande treiben; half nichts. Er staffirt mich also aus, und lehnt das Zeug dazu von Juden und Christen zusammen; er selber tritt in einer engen hechtblauen Livree hinter mir her, und da sich die Jungen versammeln, fängt der böse Mensch zuerst an, mich auszulachen, und schreit hinter mir drein, ich sei der ewige Jude. So bin ich durch die halbe Stadt verfolgt worden, und hoffe nun durch Sie den Habit los zu werden, und sicher nach unserm Wirthshause zu kommen.
Das wird alles nicht nöthig seyn, sagte der Arzt kaltblütig, der gute Pankraz wird wohl anderswo ein Unterkommen finden. Seht, der Herr Rath Walther hat sich zu Eurem Besten vom Gerichtspräsidenten hier in der Stadt, der sein naher Verwandter ist, diese Vollmacht geben lassen, Euch zu greifen, wo Ihr Euch betreffen ließet, und den Gerichten zu überliefern; wo Euch dann das Zuchthaus wenigstens gewiß ist, wenn Euch nicht, wie ich glaube, Kette und Karren auf dem Vestungsbau erwartet.
Mein Himmel, sagte der Alte zitternd, indem er einen schnellen Blick in das große Blatt warf, wodurch denn — dieser Verdacht — ach! Herr Rath — ich weiß nicht —
Freilich, fuhr der Arzt kalt und bestimmt fort, könnt Ihr Eurem Schicksal selbst eine bessere Wendung geben, wenn Ihr in unsrer und einiger Zeugen Gegenwart ganz aufrichtig seid.
Ich weiß ja nicht, winselte Pankraz, was ich gestehen soll.
Die Sache ist übrigens schon klar, sagte der Arzt, und kann auch ohne Euch ausgemittelt werden; nur bewegt uns das Mitleid mit Eurem Alter dazu, Euch das harte Schicksal zu ersparen, das Euch nothwendig treffen muß. Vertraut Ihr Euch uns gutwillig an, so haben wir den alten Baron Eberhard so in der Hand, daß er künftig für Euch sorgen muß, und noch besser, als er bisher gethan hat. Wir wollen als Eure Freunde für Euch handeln, wenn Ihr aufrichtig seid, und Euch als Feinde verfolgen, wenn Ihr läugnet.
Lieber Himmel, stotterte der Alte, wenn ich doch nur gleich recht viel wüßte, um Ihnen durch meine Bereitwilligkeit meinen Diensteifer und meine Liebe zu beweisen.
Wir verlangen nur Weniges von Euch, sprach Anselm.