Ach! das ist ja recht Schade, seufzte Pankraz; wollte der Himmel, ich hätte Ihnen recht Vieles zu erzählen!
Daß Ihr sonst den jungen Raimund bedientet, fuhr der Arzt fort, daß Ihr einen Spion bei ihm abgabt, daß Ihr es nicht ehrlich mit ihm meintet, sondern Alles dem alten Herrn Baron zutrugt, wissen wir schon längst. Es ist uns auch bekannt, daß sich der alte Herr Baron über die Schwächlichkeit seines Neffen freute, weil er ihn zu beerben hoffte; daß ihm deßhalb die Verbindung mit Fräulein Blanka sehr zuwider war, die er auch nur unter den einfältigsten Vorwänden zu hindern suchte; daß er darum ihre tödtliche Krankheit so gern sah, und Euch alten Spitzbuben mit der Nachricht ihres Todes zu dem zerstörten jungen Manne schickte, als ob Ihr Euch einen rührenden und dummen Spaß mit ihm machtet. Als dieser Todesschlag die Sinne des Unglücklichen verwirrte, jagte der alte Unmensch Euch zum Scheine aus dem Dienst, wie es schon vorher unter Euch abgekartet war, und hat Euch seitdem eine gute Versorgung gegeben, und für die Zukunft eine noch bessere versprochen. Nicht wahr, so hat sich Alles begeben? Jetzt sagt nur noch, wo habt Ihr den armen Jüngling hingeschafft? Gesteht es lieber uns, als dort vor Gericht, wo keine Gnade mehr für Euch zu hoffen ist; auch thut Ihr so Eurem alten Beschützer den besten Dienst, der nur auf diesem Wege einem schimpflichen Prozesse entgeht.
Ach! meine Herren, heulte Pankraz, meinen Sie es denn auch ehrlich mit mir? Wenn ich mich doch nur Ihrem edlen Herzen so recht gutmüthig vertrauen könnte! Wenn Sie es doch einzurichten wüßten, daß ich nichts mehr mit dem Herrn Theophil zu thun hätte, sondern das, was ich von dem Baron fordern kann, in ungestörter Ruhe genösse.
Das soll geschehen, sagte der Arzt. Nur schnell! wo ist Raimund?
Sehn Sie, fuhr der Diener fort, wie soll ein armer bedrängter Domestik ehrlich bleiben, wenn es die vornehmen Herrschaften bei allem ihrem Ueberflusse nicht einmal sind? Der alte Herr glaubte immer, er würde das Vermögen besser brauchen können, als sein junger Neffe, der niemals so ganz seinen Verstand hatte; darum dachte er auch, das feine Wesen sollte mit Tode abgehn, weil die Leute immer sagen, solche Kinder und junge Leute wären zu gut für diese Welt. Wie er nun doch schon confus war, so meinte der Baron, der Tod des Fräulein Blanka, die auch besser für den Himmel paßte, würde den jungen Herrn auch dahin verhelfen; darum sollte ich ihn erschrecken, daß er nur recht schnell und ohne lange Leiden hinüber führe; und das alles wußte mir der Herr Baron ganz christlich vorzuschwatzen. Aber der junge Mensch hatte doch noch mehr Courage und Kraft, als wir ihm zugetraut hatten; er wurde freilich ein bissel lamentabel, und sein Verstand verfiel noch mehr, aber er blieb frisch weg am Leben. Da gab ihm der alte Herr einen andern Namen, schrieb Certificate, eine ganze lange Geschichte, die ich mir auch merken mußte; und das arme kranke Lamm ließ sich auch Alles gefallen; ob er so hieß, oder so, war ihm ganz gleich. Er wurde mir heimlich übergeben und ich brachte ihn ganz in der Stille auf das Haus da drüben über den Fluß, wo sie ihn gut verpflegen, und er sich, seit Fräulein Blanka für ihn todt ist, um nichts mehr kümmert. Ich bezahle vierteljährig seine Pension, die ich von einem Banquier erhebe, und so ist Alles in Ordnung.
Was ist das für ein Haus? fragte Walther.
Das berühmte Narrenhaus da drüben, antwortete Pankraz.
Entsetzlich! rief der Rath; Du wirst uns nun Deine Papiere ausliefern, Dein Geständniß noch ein Mal wiederholen, und es unterschreiben, und so lange, bis Alles entschieden ist, im leichten Arrest bleiben. Doch noch eins: wer ist denn dieser Theophil?
Der, sagte Pankraz, ist ein natürlicher Sohn unsers alten frommen Barons. Er schämt sich seiner, weil er ein Narr ist, und hat ihn bisher bald da, bald dort untergebracht.
Man hörte den Theophil draußen lärmen. Er trat als Bedienter gekleidet in das Zimmer. Ich will meinen Pankraz haben, rief er aus.