Der Zauberer ließ das Kind zu sich kommen, beschaute es ernst, hieß die Hände zeigen, betastete den Kopf des Kindes, und indem er mit feierlichem Anstande die rechte Hand auf dem Haupte des Knaben ruhen ließ, fragte er ihn: Wie ist Dir jetzt? Empfindest Du Etwas?

Ach! rief das Kind: mir wird so wohl, so hell, mir ist, als könnt’ ich singen, so leicht als möcht’ ich fliegen, das Auge so licht, als könnt’ ich durch die Wände sehn.

Bleibe so stehn, mein Sohn, sagte Feliciano sehr ernst, und, da nichts Anders zugegen ist, das uns dienen könnte, so hefte Deine Augen auf den klaren Kristall dieser Wasserflasche, und sage mir, was Du siehst.

Anton wie Ferner waren im höchsten Erstaunen, was sich aus dieser Anstalt, von der sie nicht die kleinste Ahndung gehabt hatten, ergeben solle. Schmaling war in Bewunderung aufgelöst. Die größte Stille herrschte.

Ich sehe, fing das Kind an, einen jungen Herrn, einen schönen jungen Herrn, hübsch in Kleidern, schlank gewachsen: mir ist, ich kenne den Herrn. Ich glaube, es ist der Mann hier in der Stube. Er steht aber in einem fremden Zimmer: ganz fremd. Da kommt ein andrer Herr: auch der ist noch nicht alt; etwas größer. Sie sprechen. Dreiecke, Vierecke sind aufgestellt: Sonnen, Monde. Sie sprechen. Ach! — mit lautem Ruf sagte der Kleine — da schwebt so klar, ganz hell, glänzend, ein schönes Frauenbild zwischen ihnen herab. Es küßt den hübschen Herrn auf die Stirn.

Genug, sagte der Magus, und zog die Hand zurück. — Siehst Du noch Etwas?

Unsre Wasserflasche, sagte der Kleine, und ich bin ganz müde.

Jüngling, sagte der Magus hierauf zu Schmaling, Du bist dermalen auf dem richtigen Wege, verfolge ihn mit Muth und Standhaftigkeit, und das Ziel wird Dir nicht entgehn. Dein Führer, dem Du Dich anvertraut hast, ist der wahre, sonst wäre die göttliche Sophia nicht niedergeschwebt, und hätte, dem Kinde sichtbar, Deine Stirn mit einem Himmelskusse berührt. — Er reichte dem Jüngling die Hand, und dieser küßte sie mit inbrünstiger Ehrfurcht.

Anton war höchst betreten, überrascht, und konnte in leidenschaftlicher Verwirrung nicht seine Begriffe ordnen und sammeln. Dies Alles war so sehr gegen die Abrede, Anderson erschien ihm so fremd, in einer so neuen Gestalt, daß ihm das Wort auf der Zunge versagte, als er ihn anreden wollte, denn der Magus sah ihn mit einem so feurigen, durchdringenden Blicke an, daß er verlegen die Augen niederschlug. Der Gelehrte war eben so verwirrt, denn die Scene hatte sich so völlig umgestaltet, daß er sich im eignen Wohnzimmer als ein Fremder fühlte.

Du glaubtest, mein Anton, fing der Zauberer an, durch einen fremden Mann diesem Jüngling einen Scherz und Trug zu bereiten, und Du, Kurzsichtiger, bist der Getäuschte. Ja, wisse denn, ich bin wirklich und in der That jener weit bekannte Feliciano, den die Welt früher schon mit andern Namen nannte. Du staunst? Du zweifelst noch? Er faßte das Kind, stellte es wieder vor den Tisch, murmelte einige Worte, blickte starr eine geraume Zeit empor, indem er die Lippen bewegte, und legte dann seine rechte Hand wieder auf den Kopf des Kindes. Was siehst Du für ein Schicksal? fragte er dann mit schneidendem Ton.