Weil sie nun die einzigen Erben des reichen Mannes sind. Das haben die Klugen immer gewünscht, es aber niemals hoffen können.

Weib! rief Antonio mit neuem Entsetzen aus, Du weißt ja Alles.

Nicht Alles, erwiederte Jene, aber Etwas. Und manches läßt sich dann auch wohl errathen. Und freilich, etwas Hexerei ist auch im Spiele. Erschreckt nur nicht gar zu sehr. Es war auch nicht so ganz um gar nichts, daß mich die Herren Florentiner auf den Holzstoß setzen wollten, einige kleine unbedeutende Ursächelchen konnten sie immer für diesen Wunsch anführen. — Schau mir ins Gesicht, Knabe, streiche die Locken aus der Stirn: gut! Nun gieb die linke Hand: die rechte; ei! ei! sonderbar und wunderlich! Ja, ja, Dir steht ein nahes Unglück bevor, aber wenn Du es überlebst, wirst Du Deine Geliebte noch wiedersehn.

Jenseit! seufzte Antonio.

Jenseit? was ist Jenseit? rief die Alte im Taumel; nein, diesseit, was wir hier auf Erden nennen. Was die Narren für Worte brauchen. Es giebt kein Jenseit, alberner Kindskopf, wer hier nicht schon das Fett von der Brühe abschöpft, der ist übel betrogen. Aber damit kirren sie die Gelbschnäbel, daß sie hübsch im Geleise bleiben, wohin man sie lenken will, wer aber ihren Fabeln nicht glaubt, der ist auch dafür frei, und kann thun, was ihn gelüstet.

Antonio sah sie zürnend an, und wollte ihr heftig erwiedern, aber die blasse Crescentia legte einen so demüthig flehenden Blick für ihre Mutter ein, daß sein Zorn entwaffnet wurde. Die Alte gähnte und rieb sich die Augen, und es währte nicht lange, so war sie, vom häufigen Genuß des starken Weins betäubt, fest eingeschlafen. Das Feuer auf dem Heerde war erloschen, und die Lampe warf nur noch matte Schimmer. Antonio fiel in ein tiefes Nachsinnen, und Crescentia saß am Fenster auf einem niedrigen Schemel. Kann ich wo schlafen? sagte der erschöpfte Jüngling endlich.

Oben ist noch eine Kammer, sagte Crescentia schluchzend, und er bemerkte nun erst, daß sie die ganze Zeit über heftig geweint hatte. Sie putzte die Lampe, daß sie heller brenne, und ging schweigend voran. Er folgte eine schmale Treppe hinauf, und als sie oben in dem engen finstern Behältnisse waren, setzte das Mädchen die Leuchte auf einen kleinen Tisch und war im Begriff sich zu entfernen. Doch schon an der Thür kehrte sie noch einmal um, betrachtete den jungen Mann wie mit einem Todtenblicke, stand bebend vor ihm, und fiel dann laut schluchzend und in unverständlichen heftigen Klagen wie in Krämpfen zu seinen Füßen nieder. Was ist Dir, mein holdes Kind? rief er aus, und wollte sie aufheben; beruhige Dich: sage mir Dein Leid.

Nein, laßt mich hier liegen, rief die Klagende, ach! wenn ich doch hier zu Euren Füßen, wenn ich doch jetzt sterben könnte! Nein, es ist zu entsetzlich! Und daß ich nichts thun, nichts hindern kann, daß ich den Gräuel nur stumm und ohnmächtig anschauen muß. Aber Ihr müßt es erfahren.

So sammle Dich nur, sagte tröstend Antonio, daß Du nur Deine Stimme, daß Du nur die Worte wieder findest.

Ich sehe, sprach jene vom Weinen unterbrochen heftig fort, Eurer gestorbenen Geliebten ähnlich, und ich bin es, die Euch an der Hand in die Mördergrube führen muß. Meine Mutter kann leicht prophezeien, daß Euch ein nahes Unglück bevorsteht: kennt sie doch die Gesellen, die allnächtlich hier einkehren. Dieser Höhle ist noch Keiner lebendig entronnen. Jede Minute führt ihn näher und näher, den greulichen Ildefons, oder den verruchten Andrea, mit ihren Knechten und Gehülfen. Ach! und ich kann nur der Herold Eures Todes seyn, Euch keine Hülfe, Euch keine Rettung bieten.