So ist es recht, erwiederte die Alte; sieh, mein Kind, wann so ein Brand erst in ein Haus geschleudert ist, so muß er niemals, niemals wieder erlöschen. Von Geschlecht zu Geschlecht, zum Enkel und zum Vetter erbt das Gift, die Kinder rasen schon, die Wunde blutet immer wieder, ein neuer Aderlaß muß wieder das Unglück retten und auf die Beine bringen, das sonst vielleicht gar verscheiden könnte. O Rache, Rache ist ein köstliches Wort.
Aber Roberto, sagte Antonio, war entflohen und nirgends zu finden.
Schade, Schade, rief die Alte aus. Nun trieb Dich Deine Rache wohl in die Welt?
Ja wohl, ich erwuchs, ich sah Italien, forschte in allen Städten, konnte aber keine Spur des Mörders entdecken. Der Ruf Pietro’s von Abano hielt mich endlich in Padua fest. Ich wollte von ihm Weisheit lernen, aber als ich in das Haus des Podesta kam —
Nun? sprich heraus, Kind!
Was soll ich sagen? Ich weiß nicht, ob ich rase oder träume. Dort sah ich die Tochter, die holde, die liebreizende Crescentia. Und ich sehe sie jetzt wieder vor mir, ja sie ist es selbst, jener Leichenzug war ein böser, ungeziemender Scherz, und diese Verkleidung, diese Flucht in die Wüste hieher ist wieder eine unziemliche Verlarvung. Gieb Dich endlich, endlich zu erkennen, theure, holdselige Crescentia. Weißt Du es ja doch, daß mein Herz nur in Deinem Busen lebt. Wozu diese grausamen Proben? Sind Deine Eltern vielleicht dort in der Kammer, und hören alles, was wir sprechen? Laß sie nun endlich, endlich herein treten, es sei nun der grausamen Prüfung, die mich wahnsinnig machen kann, genug geschehn.
Die bleiche Crescentia sah ihn mit einem unbeschreiblichen Blicke an, eine solche Wehmuth im Angesicht, daß ihm die Thränen aus den Augen stürzten. Er ist wahrlich schon betrunken! heulte die Alte. Sprecht, sagt, ist denn die Tochter des Podesta todt? Gestorben wäre sie? und wann?
Heut Abend, sagte der Weinende, bin ich ihrer Leiche begegnet.
Also auch die? fuhr die Alte lustig fort, indem sie wieder einschenkte. Nun, da wird sich ja die Familie Markone in Venedig freuen.
Warum?