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In der Stadt hatte sich in derselben Nacht etwas Wunderbares zugetragen, was bis jetzt noch allen Menschen ein Geheimniß war. Kaum hatte sich die Finsterniß dicht und dichter verbreitet, als Pietro, den man gemeiniglich nur von seiner Geburtsstadt Apone, oder Abano nannte, im innersten Zimmer seines Hauses alle Geräthe, alle seine künstlichen Instrumente zu einer geheimen und seltsamen Operation in Ordnung richtete. Er selbst war in lange Gewänder gekleidet, die mit wunderlichen Hieroglyphen bezeichnet waren, in seinem Saal hatte er die magischen Kreise beschrieben, und alles kunstreich geordnet, um seiner Wirkung gewiß zu seyn. Er hatte den Stand der Gestirne genau erforscht, und erwartete jetzt den günstigsten Augenblick.
Sein Gefährte, der häßliche Beresynth, war auch mit magischen Kleidern angethan. Er holte und stellte auf den Befehl seines Gebieters alles so, wie dieser es nöthig erachtete. Bemalte Decken waren an den Wänden verbreitet, der Boden des Zimmers verkleidet, der große Zauberspiegel aufgerichtet, und näher rückte und näher der Moment, den der Magier für den glücklichsten erachtete.
Hast Du die Kristalle in die Kreise gestellt? rief jetzt Pietro. Ja, antwortete der geschäftige Gesell, dessen Fratze sich zwischen den Phiolen, Spiegeln, menschlichen Gerippen und allen dem seltsamen Hausrath munter und unermüdlich tummelte. Jetzt wurde das Räuchwerk gebracht, eine Flamme entzündete sich auf dem Altar, und der Magier nahm vorsichtig, fast bebend, aus seinem geheimsten Schranke das große Buch. Geht’s los? rief Beresynth. — Schweig, erwiederte der Alte feierlich, und störe die heilige Handlung durch keine frevelnden, durch keine unnützen Worte. Er las, erst leise, dann lauter und eifriger, indem er mit gemessenen Schritten auf und nieder, dann im Kreise wandelte. Nach einer Weile hielt er inne und befahl: schau hinaus, wie sich der Himmel gestaltet.
Dichte Finsterniß, sagte der rückkehrende Diener, hat den Himmel umzogen, Wolken jagen sich, ein Regen fängt an zu träufeln. — Sie sind mir günstig, rief der Alte, es muß gelingen! Jetzt kniete er nieder, und berührte oft, die Beschwörung murmelnd, mit der Stirn den Boden. Sein Gesicht war erhitzt, seine Augen funkelten. Man hörte ihn die heiligen Namen nennen, die verboten sind auszusprechen, und er sandte nach langer Zeit seinen Diener wieder hinaus, um nach dem Firmament zu schauen. Indessen vernahm man den heranbrausenden Sturm, Blitz und Donner jagten sich, und das Haus schien in seinen Grundfesten zu erbeben. Hört das Wetter, rief Beresynth, eilig zurückkehrend. Die Hölle hat sich von unten herauf gemacht, und wüthet mit Feuer und wilden krachenden Donnerschlägen, ein Sturm braust dazwischen, und die Erde zittert. Haltet inne mit Beschwören, daß nicht die Speichen brechen, und die Fugen, die die Welt zusammen halten, zerspringen.
Thörichter! Blödsinniger! rief der Magier; genug der unnützen Worte! Alle Thüren reiß auf, eröffne auch das Thor des Hauses.
Der Zwerg entfernte sich, um die Gebote seines Herrn auszurichten. Dieser entzündete indeß die geweihten Kerzen, mit Schaudern nahte er sich der großen Fackel, die auf dem hohen Leuchter stand, auch sie brannte endlich, dann wand er sich auf dem Boden und beschwor lauter und lauter. Seine Augen funkelten, seine Glieder bebten alle, zuckten wie in Krämpfen, und ein kalter Schweiß der Angst floß von seinem Haupte. Mit wilder Geberde sprang der Zwerg wie entsetzt wieder herein und rettete sich in die Kreise. Die Welt geht unter, schrie er bleich und mit den Zähnen klappernd, die Gewitter ziehn fort, aber alles ist in der stillen Nacht Entsetzen und Graus, jedes Geschöpf hat sich in das innerste Gemach und die Kissen des Bettes geflüchtet, um der Angst zu entweichen.
Der Alte erhob vom Boden ein todtenbleiches Antlitz, und verzerrt und unkenntlich schrie er mit fremdem Laute: Schweig, Unglückseliger, und störe das Werk nicht. Gieb Acht, und behalte Deine Sinne. Das Größte ist noch zurück.
Mit einer Stimme, als wollte er seine Brust zersprengen, las und beschwor er wieder, der Athem schien ihm oft zu fehlen, es war, als müsse die ungeheure Anstrengung ihn tödten. Da hörte man plötzlich Stimmen durcheinander, wie im Streit, dann wie Gespräch, sie flüsterten, sie tobten und lachten, Gesang ertönte, und verworrener Klang von wundersamen Instrumenten. Alle Geräthe wurden lebendig und schritten vor und gingen wieder zurück, und aus den Wänden in allen Gemächern quollen Wesen aller Art, Gethier und Ungeheuer und abentheuerliche Fratzen im buntesten Gewirre.
Herr! schrie Beresynth, das Haus wird zu enge! Wohin mit allen diesen Geistern? Einer muß den andern fressen. O weh! o weh! Immer greulicher, immer toller wickelt sich einer aus dem andern: ich verliere den Verstand! Und diese Musik dazu, dies Gellen und Pfeifen, Gelächter dazwischen, und rührende Klagegesänge. Seht, Herr! seht! die Wände, die Zimmer dehnen sich aus: alles wird zu unermeßlichen Sälen, zu hohen Gewölben, und noch schießen die Creaturen hervor, und vermehren sich mit dem wachsenden Raume. Könnt Ihr nicht rathen, könnt Ihr nicht helfen?