Castalio war nachdenklicher als zuvor. Wenn jener abentheuerliche Beresynth, die Fratze, welche den Zauberer begleitete, sich nicht als Weib verstellt hat, um den Nachforschungen zu entgehn, so getraue ich mir dieses Weib aufzufinden. Geduldet Euch nur bis morgen und ich sage Euch Bescheid. Uebrigens sind die Begebenheiten jener Nacht keine Phantasien Eures Innern, sondern Wirklichkeit gewesen, damit mögt Ihr fürs Erste Euch und Euren ältern Freund beruhigen.
Nachdenkend verließen die jungen Leute den wunderbaren Mann, und Antonio dankte dem Spanier herzlich, daß er ihm diese Bekanntschaft verschafft hatte.
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Antonio hatte sich aber nicht getäuscht. Es war wirklich die Alte, die er im Gedränge wahrgenommen hatte. Sie wohnte in einer kleinen Hütte, hinter verfallenen Häusern, unweit des Laterans. Verfolgt, dürftig, von aller Welt verlassen, gehaßt und gefürchtet, war sie hier, im Aufenthalte des Elendes, der Verzweiflung nahe. Sie wagte es nur selten, sich zu zeigen, und war auch nur an diesem Tage gezwungen worden, auszugehn, um ihre Crescentia, die ihr entlaufen war, wieder zu finden. Da jedermann ihr scheu aus dem Wege ging, da es ihr selbst schwer wurde, nur hie und da ein Almosen zu erhalten, und ihre ehemaligen Künste keine Liebhaber fanden, so war sie nicht wenig erstaunt, als sie am Abend an ihre Thür klopfen hörte, indem draußen Geschrei und Lärmen tobte. Sie nahm ihre Lampe und machte auf, und sah draußen ein Rudel Gassenjungen und Pöbel, die eine kleine bucklige Figur, die in rothem Sammet mit Gold phantastisch gekleidet war, verfolgten. Wohnt hier nicht die würdige Frau Pankrazia? schrie der mißgestalte Zwerg. — So ist es, sagte die Alte, indem sie mit Gewalt die Thür zuschlug und das Volk draußen mit Schimpfreden zu vertreiben suchte. — Wer seid Ihr? würdiger Herr, was sucht Ihr bei einer alten verlassenen Frau?
Setzt Euch nieder, sagte der Kleine, und zündet etwas mehr Licht an, damit wir uns schauen und betrachten können, und weil Ihr Euch arm nennt, so nehmt diese Goldstücke, und wir wollen auf bessere Bekanntschaft ein Gläschen Wein mit einander leeren.
Die Alte schmunzelte, zündete einige Wachskerzen an, die sie in einer Schieblade verwahrte und sagte: ich habe noch ein Fläschchen guten Florentiner, ehrwürdiger Herr, der uns schmecken soll. Sie öffnete einen kleinen Schrank und setzte die rothe Labung auf den Tisch, dem Unbekannten zuerst einschenkend.
Warum nennt Ihr mich ehrwürdig? fragte dieser.
Sagen es die Goldstücke nicht aus, antwortete sie, Euer Wamms, die Tressen darauf, die Feder auf dem Hut? Seid Ihr kein Prinz, kein Magnat?
Nein, schrie der Kleine: ei poz tausend, Muhme, kennt Ihr mich denn gar nicht? hat man mir doch schon in der Jugend damit schmeicheln wollen, daß wir uns einigermaßen ähnlich sehen, und wahrlich, wenn ich so Eure Statur, Physiognomie, den Ausdruck, das Lächeln und das Blinzeln der Augen unpartheiisch betrachte und erwäge, so sind die Muhme Pankrazia, aus dem Hause Posaterrena aus Florenz, und der kleine Beresynth, aus der Familie Fuocoterrestro aus Mailand, so in Verwandtschaftszügen, wie Muhme und Vetter, sich ähnlich genug.
Jemine! schrie die Alte erfreut, so seid Ihr der Beresynth aus Mailand, von dem ich in meiner Kindheit wohl habe reden hören? Ei! ei! so muß ich so spät, im hohen Alter, noch einen so liebwerthen Vetter von Angesicht zu Angesicht kennen lernen!