Antonio hatte indessen den alten Ambrosio und dessen Gattin schon darauf vorbereitet, daß er gewiß jene widerwärtige Alte, und so auch deren Tochter Crescentia wieder auffinden würde. Die Mutter glaubte ihm gern, aber der Vater blieb bei seinen Zweifeln. Noch vor Sonnenuntergang begab sich der Jüngling mit seinem Freunde wieder zum weisen Castalio. Dieser kam ihnen schon lächelnd entgegen und sagte: Hier, Antonio, nehmt dieses Blatt, Ihr findet auf ihm verzeichnet, in welcher Gasse, in welchem Hause Ihr jene Unholdin antreffen werdet. Wenn Ihr sie aufgefunden habt, werdet Ihr an meiner Wissenschaft nicht mehr zweifeln.
Schon jetzt bin ich überzeugt, sagte Antonio, ich war es schon gestern. Ihr seid der weiseste der Sterblichen, und werdet mich durch Eure Kunst zum glücklichsten machen. Ich gehe, die böse Alte aufzusuchen, und wenn Crescentia nicht gestorben, oder verloren ist, so führe ich sie in die Arme ihrer Eltern.
Bewegt und voller Erwartung wollte er sich eilig entfernen, er hatte schon den Drücker der Thür in der Hand, als sich ein leises ängstliches Klopfen draußen ankündigte, von einem heisern Husten und Scharren der Füße begleitet. Wer ist da? rief Castalio, und da die Freunde öffneten, trat Beresynth herein, der sich gleich in die Mitte des Zimmers stellte, und unter vielen fratzenhaften Verbeugungen, so wie Verzerrungen des Gesichtes dem weisen Manne seine Dienste anbot.
Wer seid Ihr? rief Castalio, der sich verfärbt hatte und mit blassem Angesicht einige Schritte zurückgewichen war.
Ein Bösewicht ist der Verruchte! rief Antonio, ein Zauberer, den wir der Inquisition überliefern müssen, der verruchte Beresynth selbst ist es, dessen Namen Ihr, verehrter Mann, schon kennt, und von dem ich Euch erzählt habe.
Meint Ihr, junges Blut? sagte Beresynth mit dem Ausdruck der tiefsten Verachtung. Mit Euch, ihr Kinder, habe ich nichts zu schaffen. Kennt Ihr mich nicht? rief er zu Castalio gewendet, und könnt auch meine Dienste nicht brauchen?
Wie sollt ich? sagte Castalio mit ungewisser Stimme, ich habe Euch nie gesehn. Entfernt Euch, ich muß Eure Dienste ablehnen. In meinem kleinen Hause bedarf ich keines fremden Wesens.
Beresynth ging mit großen Schritten auf und ab. Also, Ihr kennt mich nicht? Kann seyn; man verändert sich manchmal, denn der Mensch bleibt nicht in seiner Blüthe. Doch, mein’ ich, sollte man mich nicht so bald vergessen, oder mit andern verwechseln, wie so manchen glatten, fein gemalten, unbedeutenden Tropfen. — Und ihr, indem er sich zu den jungen Leuten wendete, kennt wohl jenen Weisheitsfinder auch nicht?
O ja, sagte Antonio, er ist unser Freund, der treffliche Castalio.
Da erhub der Kleine ein so ungeheures Lachen, daß Wände und Fenster des Zimmers erklirrten und wiederhallten. Castalio! Castalio! schrie er wie besessen; warum nicht auch Aganippe oder Hippokrene? Also, ihr habt den Brill vor den Augen, mit Kalbsblicken schaut eure Seele aus dem runden Kürbis eurer Köpfe dumm heraus? Reibt euch die Nase, und seht und erkennt doch euren verehrten Pietro von Abano, den großen Tausendkünstler aus Padua!