Derjenige, der sich Castalio nannte, war wie ohnmächtig in einen Sessel gesunken, sein Zittern war so heftig, daß alle Glieder seines Körpers flogen, die Muskeln seines Antlitzes bebten so gewaltsam, daß kein Zug in ihm wahrzunehmen war, und nachdem die jungen Leute dies einige Zeit staunend betrachtet hatten, glaubten sie mit Entsetzen wahrzunehmen, daß aus den sich verwirrenden Lineamenten die alte Bildung des bekannten greisen Apone hervorstiege. Laut schreiend erhub sich der Zauberer vom Sessel, ballte die Fäuste und schäumte mit dem Munde, er schien in seiner Wuth riesengroß. Nun ja, brüllte er im Donnerton, ich bin es, jener Pietro, und Du, Knecht, verdirbst mir jetzt mein Spiel, jene junge Brut dort auf einem neuen Wege zu vernichten. Was willst Du, Wurm, von mir, der ich, Dein Meister, Dich nicht mehr anerkenne? Zitterst Du nicht in allen Gebeinen vor meiner Rache und Strafe?
Beresynth erhub wieder jenes schallende, entsetzliche Gelächter. Strafe? Rache? wiederholte er grinsend; Dummkopf ohne Gleichen! Mußt Du denn jetzt erst merken, daß Dir diese Sprache zu mir nicht geziemt? Daß Du, Gaukler, Dich vor mir im Staube krümmen mußt? daß ein Blick meines Auges, ein Griff meines erznen Armes Dich zerschmettert, Du erdgebornes Larvenspiel elender Künste, die nur ich gelingen ließ?
Ein Scheusal stand im Saal. Seine Augen sprühten Feuer, seine Arme dehnten sich wie zwei Adlerschwingen aus, das Haupt berührte die Decke; Pietro lag winselnd und heulend zu seinen Füßen. Ich war es, fuhr der Dämon fort, der Deine arme Gaukelei beförderte, der die Menschen täuschte, der den Frevel durch meine Macht erschuf. Du tratst mich mit Füßen, ich war Dein Hohn, Deine hochmüthige Weisheit triumphirte ob meinem Blödsinn. Nun bin ich Dein Herr! Jetzt folgst Du mir als mein leibeigner Knecht in mein Gebiet. — Entfernt euch, ihr Elenden! rief er den Jünglingen zu, was wir noch verhandeln, geziemt euch nicht zu schauen! Und ein ungeheurer Donnerschlag erschütterte das Haus in seinen Tiefen, geblendet, entsetzt stürzten Antonio und Alfonso hinaus, ihre Knie wankten, ihre Zähne klappten. Ohne zu wissen wie, befanden sie sich wieder auf der Straße, sie flüchteten in einen nahen Tempel, denn eine heulende Windsbraut erhob sich mit Donner und Blitzen, und die Wohnung, als sie hinter sich sahen, brannte in zerfallenen Trümmern, zwei dunkle Schatten schwebten über dem Brande, kämpfend, so schien es, und sich in Verschlingungen hin und her werfend und ringend, Geheul der Verzweiflung und lautes Lachen des Hohnes erklangen abwechselnd zwischen den Pausen des lautrasenden Sturmwinds.
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Erst nach langer Zeit konnte sich Antonio so viel sammeln, daß er stark genug war, nach der gegebenen Anweisung das Haus der Alten aufzusuchen. Er fand sie geschmückt und sie rief ihm frohlockend entgegen: ei! Florentiner! seid Ihr auch einmal wieder da?
Wo ist Eure Tochter? fragte Antonio, zitternd vor Eil.
Wenn Ihr sie jetzt haben wollt, sagte die Alte, so will ich sie Euch nicht vorenthalten. Aber bezahlen müßt Ihr rechtschaffen für sie, oder der Podesta von Padua, wenn er noch lebt, denn sie ist sein Kind, das ich ihm damals gestohlen habe, weil mir die Herren Markoni ein ansehnliches Stück Geld dafür gönnten.
Wenn Ihr es beweisen könnt, sagte der Jüngling, so fordert.
Beweise, so viel Ihr wollt, rief die Alte, Windeln mit Wappen, Kleider von damals, ein Maal auf der rechten Schulter, was ja die Mutter am besten kennen muß. Aber auch Briefe von den Markonis sollt Ihr haben, Schriften vom Podesta selbst, die ich damals in der Eile mit wegfischte. Alles, nur Geld muß da seyn.
Antonio zahlte ihr alles Gold, was er bei sich trug, und gab ihr noch die Edelsteine, die Hut und Kleidung schmückten, Perlen und eine goldne Kette. Sie strich alles lächelnd ein, indem sie sagte: wundert Euch nicht, daß ich so eilfertig und leicht zu befriedigen bin. Die Dirne ist mir weggelaufen, weil sie keinen Liebhaber wollte, und steckt im Nonnenkloster bei der Trajanssäule, die Aebtissin hat sie mir nicht herausgeben wollen, aber meldet Euch nur dort, das junge Blut wird Euch von selbst in die Arme springen, denn es träumt und denkt nur von Euch, so habt Ihr ihr thörichtes Herz bezaubert, daß sie seit jener Nacht, der Ihr Euch wohl noch erinnern werdet, kein vernünftiges Wort mehr gesprochen hat, daß sie weder Liebhaber noch Mann mehr leiden konnte. Froh bin ich, daß ich sie so los werde, ich gehe mit einem vornehmen Vetter, Herrn Beresynth, der mich eigen dazu aufgesucht hat, noch heut Nacht auf seine Güter. Lebt wohl, junger Narr, und seid mit Eurer Crescentia glücklich.