seit, seitdem, nachher. zweien, entzweien. Pfaffen und Laien, geistliche und weltliche Fürsten, in der streitigen Königswahl. Ungebäre, ungebärdige Wehklage. Klausenere, der klagende Klausner, welcher mehrmals vorkömmt, bedeutet die vormalige strenge Frömmigkeit im Gegensatze zu der nunmehrigen Ausartung des geistlichen Standes.
Ich hörte die Wasser diessen
Und sah die Fische fließen,
Ich sah was in der Welte was,
Wald, Feld, Laub, Rohr und Gras.
Was kriechet oder flieget,
Oder Beine zur Erde bieget,
Das sah ich und sage euch das:
Der keines lebet ohne Haß;
Das Wild und das Gewürme,
Die streiten starke Stürme,
Also thun die Vögel unter ihn'n,
Nur daß sie haben einen Sinn
(Sie wären anders zu nichte):
Sie schaffen gut Gerichte,
Sie setzen Könige und Recht
Und schaffen Herren und Knecht.
O weh dir, deutsche Zunge,
Wie steht deine Ordenunge!
Daß nun die Mück' ihren König hat[15]
Und daß deine Ehre also zergat!
Bekehre dich, bekehre!
Die Kirchen sind zu hehre,
Die armen Könige drängen dich.
Philippe! setze den Waisen auf und heisse sie treten hinter
sich! (Man. I 102)
diessen, tosen, rauschen. fliessen, schwimmen. was, war. Was kriechet &c. vgl. Wernh. Mar. S. 28, 52. unter ihn'n, unter sich. deutsche Zunge, Land deutscher Sprache. zergat, zergeht. Die Kirchen, die Geistlichkeit. zu hehre, zu gewaltig. die armen Könige, die mittellosen Thronbewerber. den Waisen, das Reichskleinod, den Edelstein der Kaiserkrone, welchen Herzog Ernst aus dem hohlen Berge mitgenommen haben soll.
Noch im Frühjahr 1198 ward dem Dichter die Freude, Philippen gekrönt zu sehen. Das hochschwebende Lied, worin er seinen Jubel ausspricht, läßt kaum bezweifeln, daß er selbst der Krönung zu Mainz anwohnte.
Die Krone ist älter, denn der König Philippe sey;
Da möget ihr alle schauen wohl ein Wunder bei,
Wie sie ihme der Schmid so eben recht gemachet.
Sein kaiserliches Haupt geziemet ihr also wohl,
Daß sie zu Rechte niemand Gutes scheiden soll;
Jedwedes nicht des andern Tugend schwachet.
Sie lachen beide einander an
Das edel Gesteine und der junge süsse Mann;
Die Augenweide sehen die Fürsten gerne.
Wer nun das Reiches irre geh',
Der schaue, wem der Waise ob seinem Nacken steh'!
Der Stein ist aller Fürsten Leitesterne.
(I 127b)
zu Rechte, mit Recht. Tugend, Werth. schwachet, schwächet, verringert.
Das angenehme Bild, das Walther von seinem Könige giebt, bestätigen die Worte des Geschichtschreibers. Nach der Beschreibung der urspergischen Jahrbücher war Philipp ein Mann von schöner und edler Gesichtsbildung, blondem Haar, mittlerer Größe, zartem, fast schwächlichem Körperbau[16].
Der Dichter begnügt sich nicht, Philippen zum Throne berufen und auf demselben begrüßt zu haben. Er giebt dem neuen Könige noch das Mittel an, seine Herrschaft zu befestigen und auszubreiten. Dieses Mittel findet er in der Milde, der dankbaren Freigebigkeit gegen Diejenigen, die sich dem Könige versöhnt und verpflichtet haben, der rückhaltlosen Ausspendung von Gaben und Ehre.
Philippe, König hehre!
Sie geben dir alle Heiles Wort
Und wollten Lieb nach Leide.
Nun hast du Gut und Ehre,
Das ist wohl zweier Könige Hort,
Die gieb der Milde beide!
Die Milde lohnet, wie die Saat,
Von der man wohl zurück empfaht,
Darnach man ausgeworfen hat;
Wirf von dir mildigliche!
Welch' König der Milde geben kann,
Sie giebt ihm, das er nie gewann,
Wie Alexander sich versann:
Der gab und gab, da gab sie ihm alle Reiche.
(I 113a)
Das ist wohl &c. (Lesart der Pf. Hds. 357) Reichthum und Ehre, jedes für sich schon, ist der Hort, Schatz, eines Königs. (Vgl. I 135b »zwei Kaisers Ellen«, d. h. Stärke, Kraft) sich versann, inne ward.