[5] Die oftangeführte Geschichte des Kantons St. Gallen giebt eine umständliche geschichtliche Ortsbeschreibung dortiger Gegend, auf die reichhaltigen, in hohes Alterthum hinaufreichenden Urkundensammlungen des St. Gallischen Archivs gegründet. Nirgends aber erwähnt sie einer Burg Vogelweide. Um desto sichrer zu gehen, habe ich an Herrn v. Arx selbst mich schriftlich gewendet und von ihm die Bestätigung erhalten, daß ihm von einem Schlosse dieses Namens nie eine Meldung aufgestoßen sey. Möglich wäre eine Verwechslung mit Vögelinsberg oder Vögeliseck. In dem St. Gallischen Jahrszeitenbuche (Goldast, Script. Rer. Alem. Tom. I), das 1272 geschrieben wurde, kömmt ein Ruodolfus dispensator de Voegillinsberc vor. Notker III., Vorsteher der St. Gallischen Klosterschulen, gest. 1022, hatte bei Speicher, in der Gegend, wo jetzt das weitausschauende Vögeliseck steht, ein Gehege (vivarium), worin er Wild und seltene Vögel, die er am meisten liebte, verwahren und füttern ließ. Es ist vermuthet worden, daß hier die Heimath des Geschlechtes v. d. Vogelweide zu suchen sey, welcher Name im Munde des Volks in Vögeliseck umgewandelt worden seyn möchte. Man überzeugt sich leicht, wie sehr es hiebei an einem sichern Halt gebreche.

[6] Ueber die St. Gallischen Vogelweider s. Arx II 196; Leu, Allgem. Helvet. Lexicon Thl. 18 S. 676. Sie kommen zuerst 1430 vor. Das Schreiben des Herrn v. Arx besagt darüber Folgendes:

»Ich bezweifle es sehr, ob Walther Vogelweider von St. Gallen her sey. Denn nie kömmt dieses Geschlecht in ältern Zeiten, sondern erst im 15. Jahrh. da vor, wo von allen Orten her Leute sich in St. Gallen ansiedelten, oder wieder abzogen. Mir scheint Vogelweider eher eine Bedienung ausgedrückt zu haben, und von dieser in einen Geschlechtsnamen übergegangen zu seyn. Nämlich so wie Kuchimeister einen Proviantmeister, und Füller (impletor), Spiser, andre Verrichtungen anzeigten, und nachhin zu (St. Gallischen) Familiengeschlechtern wurden, so war Vogelweider ohne Zweifel ein Mann, der sich mit dem Fangen, Füttern, Abrichten der Vögel eines Großen abzugeben hatte, denn Fogilweida hieß eben das, was Aviarium, Glossar sec. 10. in. ab Ekhart, und ohne solches Vogelbehältniß und einen Wärter desselben konnte der Falkenjagd wegen und des Finkenfangs kein Fürst oder Graf seyn. Es mußte darum aller Orte Vogelweider geben.«

[7] Bei Wagenseil, Von der Meistersänger holdsel. Kunst, S. 506:

Der Fünft Herr Walter hieß,
War ein Landherr aus Böhmen gewiß[?]
Von der Vogelweid &c.

[8] S. König, Genealog. Adelshistorie &c. Thl. II S. 543.

[9] Oberthür, Die Minne- und Meistersänger aus Franken &c. Würzb. 1818 S. 30.

[10] So wird er genannt im Leben der h. Elisabeth (Mencken, Script. Rer. Germ. T. II) und in dem Meisterliede bei Görres S. 224. In der Nachricht, welche die Würzb. Handschr. von seiner Grabstätte giebt, heißt er Miles. Doch ist es zweifelhaft, ob er die Ritterwürde selbst erlangt habe, indem er sich in einem seiner Gedichte mit den Rittern in Gegensatz zu stellen scheint (Man. I 142a:

»Daran gedenket, Ritter, es ist euer Ding &c.«)

[11] Chron. Claustro-Neoburg. (ap. Pez, Script. Rer. Austr. T. I) ad ann. 1195, 97, 98.