Name und Wappen des Dichters mögen zu jener Sage Anlaß gegeben haben.

Der Truchseß von Sankt Gallen betrauert den Tod Walthers auf ähnliche Weise, wie dieser den Tod Reinmars beklagt hat: Uns ist unsres Sanges Meister, den man eh' von der Vogelweide nannte, auf die Fahrt, die nach ihm uns Allen unerlassen bleibt. Was frommet nun, was er eh' der Welt erkannte? Sein hoher Sinn ist worden krank. Nun wünschet ihm um seines werthen, hofelichen Sanges willen, daß sein der süsse Vater nach Gnaden pflege! (Pf. Hds. 357 Bl. 20b).


[A] Das Treffendste, was mir bekannt ist, hat über ihn ein Gelehrter gesprochen, dem man sonst die Ueberschätzung der Dichterwerke des Mittelalters nicht vorwirft, Bouterwek, in seiner Gesch. d. Poes. u. Beredsamk., Bd. IX S. 107 ff.: »Einer der vorzüglichsten unter diesen ersten und unter allen deutschen Minnesingern ist Walther von der Vogelweide aus einer adeligen Familie im Thurgau. -- Aus seinen volltönenden, kräftigen und lieblichen Gesängen spricht ein wahrhaft lyrisches Genie. Selbst religiöse Gegenstände behandelt er glücklicher, als die meisten seiner Zeitgenossen. Auch war er reicher an Gedanken, als sie. Ihm schwebte, wie jedem großen Dichter, auch ohne philosophische Meditation, das Ganze des menschlichen Lebens vor. Gewöhnlich haben seine Darstellungen etwas Mahlerisches. Einige seiner Gesänge in langen Zeilen nähern sich dem metrischen Charakter des Sonetts. Einige nehmen einen hohen feierlichen Schwung; andere gehen den leichten, raschen Schritt des muntern Volksliedes; noch andere sind mit einer fast epigrammatischen Feinheit ausgeführt. Weinerliche Klage war nicht dieses Dichters Sache; aber im Preise der Frauen ist er unerschöpflich. Doch das poetische Verdienst des trefflichen Walthers von der Vogelweide ist einer ausführlichen Analyse werth, zu der sich hier kein Raum findet. Noch verdient sein Vaterlandsgefühl bemerkt zu werden. Einige seiner Gedichte haben das öffentliche Wohl Deutschlands zum Gegenstande. Im Volkstone hat er das Lob des deutschen Namens gesungen.«

[B] Eine neue Ausgabe sämmtlicher Gedichte Walthers hat Köpke, der Herausgeber von Barlaam und Josaphat, zugesagt. S. Büschings Wöchentl. Nachrichten &c. Bd. IV 1819 S. 12. Vorarbeiten hat auch Lachmann, in seiner Auswahl aus den hochdeutschen Dichtern des 13. Jahrh. Berl. 1820 S. 178-203, geliefert.

[1] Stumpf, der gegen die Mitte des 16. Jahrhunderts schrieb, erwähnt im 5. Buche seiner Chronik eines Sankt Gallischen Bürgers, Hans Vogelweider, und fügt das Wappen dieser Vogelweider bei. Hierauf folgt in der, vierzig Jahre nach des Verfassers Tod erschienenen Ausgabe von 1606 (Bl. 373b) nachstehender Beisatz, welcher in der ersten Ausgabe von 1548 (II Bl. 31b) noch nicht befindlich ist: »Sonst ist Vogelweide ein alt Schloß geweßt im oberen Turgow gelegen; davon berümpte Leut kommen, an der Herzogen in Schwaben Hof bekannt. Walther v. d. Vogelweid war ein frommer biderber, nothaffter Ritter, an Keysers Philippi Hof: wie sölchs bezeuget sein selbst eigen Lied in einem uralten Buch (sicherlich die Maness. Handschr.) under Keyser Heinrich und König Cunraden dem jungen geschrieben: darinnen auch sein Wappen abgemalet, hat aber nichts mit diesem geleichs.« Dieses ist ohne Zweifel die Hauptstelle, nach welcher Bodmer und nachher viele Andre den Ursprung des Dichters in das obere Thurgau setzen.

[2] Von Singenberg, Landegg und Göli wird weiterhin die Rede seyn. Kraft von Toggenburg ist in der Geschichte dortiger Gegend hinlänglich bekannt. Die von Sar, ein ausgestorbenes Geschlecht im Rheinthal, nach welchem noch die Landschaft genannt wird. Ueber die Geschlechter von Husen und von Thal s. v. Arx (Geschichte des Kantons St. Gallen, 2 Bde. St. Gallen 1810-11) I 493, 498. Unter den Dienstleuten des Gotteshauses St. Gallen um 1300 zählt ein altes Verzeichniß: die von Altstetten, von Hardegg, von Husen, auf. Ebd. I 482. Der Minnesänger Friedrich von Husen, ein Kreuzfahrer, bezeichnet sich selbst als um den Rhein einheimisch. Man. I 92b 94a (Im Elsaß sucht ihn Oberlin, De poet. Alsat. erot. p. 10). Ein Walther von Klingen kömmt um 1271 urkundlich vor, Arx I 395 (nach Docen, Mus. I 144 schon 1251); ein H. (Heinricus) miles de Frouunberch 1257 Ebd. I 544; ein Cuno miles de Tüfin 1279 Ebd. I 506. Die Ruggen erscheinen noch um die Mitte des 15. Jahrh. als St. Gallische Junker Ebd. II 296. Der von Wengen richtet ein Lied an die Thurgäuer Man. II 99a. -- Anziehend und anschaulich hat v. Laßberg in der Zueignung des 1. Bands seines Liedersaals (1820) an die Sänger dortiger Gegend erinnert.

[3] Alles Obige hat v. Arx in seinem äußerst lehrreichen Geschichtwerke umständlich ausgeführt und belegt. Von dem Mönche Tutilo (st. 912) sagt Ekkehard. Jan. de casib. monast. St. Galli Cap. III: »filios nobilium in loco ab Abbate destinato fidibus edocuit

[4] Ueber die St. Gallischen Erbämter s. Arx I 320. Konrad, Schenk von Landegg, kömmt von 1281 (oder schon 1271, I 528) bis 1304 in den Urkunden vor. Ebd. I 476. Die Kämmerer hießen: Giele »Rudolf Gielo noster CamerariusEbd. I 320. Vgl. Mus. I 162. Der Dichter Göli (Man. II 57a) singt:

Bei dem Rheine grünen Werde und Auen.