Gerade in dem Augenblicke, als wir nicht wußten, wohin wir uns wenden sollten, und die Leute nach der Russisch-Chinesischen Bank fragten, wo wir erwartet wurden, kam ein chinesischer Soldat im Galopp angesprengt, um uns den Weg zu zeigen. Wir kamen an einer Reihe kleiner weißer Pagoden im tibetischen Stile vorüber, die entfernte Ähnlichkeit mit den Kegeln eines riesenhaften Billardspieles hatten. Als wir ins Freie traten, erblickten wir auf dem Gipfel eines Hügels einen prachtvollen europäischen Palast! Meine Feder vermag es nicht zu schildern, welche Überraschung und Freude uns durchzuckte, als wir dieses mitten in die Mongolei gefallene winzige Stück Europa erblickten. Es war, als habe sich unser eigenes Heim unseren Blicken dargeboten. Wir wußten noch nicht, was für ein Gebäude es war, das drei bis vier Kilometer von uns entfernt lag, umgeben von niedrigeren Baulichkeiten, dem Anschein nach Schuppen und Ställe. Aber für uns war es ein freundlicher Anblick. Bald lasen wir in großen Buchstaben in vier Sprachen die Inschrift: „Russisch-Chinesische Bank.“ Wir fuhren vor und ließen triumphierend und mit begeisterter Beharrlichkeit die Hupe ertönen.

Am Eingangsgitter stand ein Tarantaß; zwei Kosaken kamen die Straße entlang und blieben stehen, um uns zu betrachten. Wir begrüßten sie mit überströmender Freundlichkeit. Aus einem Pförtchen streckte ein bärtiger Muschik seinen Kopf heraus, um ihn aber sofort wieder zurückzuziehen, wohl in der Absicht, unsere Ankunft zu melden.

„Wir sind ja bereits in Sibirien!“ riefen wir und beglückwünschten einander, als ob die Reise zu Ende sei.

Geräuschvoll tat sich das Tor der Bank auf, und heraus stürzte ein sympathisch aussehender Herr, Herr Stepanoff, der Direktor dieser Filiale, um uns freudig zu begrüßen. Er konnte aber eine gewisse Überraschung nicht verbergen, daß er uns als die Ersten ankommen sah.

„Das ist ja die italienische Flagge!“ rief er, während er sie betrachtete, die am Hinterteil des Automobils lustig im Winde flatterte — „wahrhaftig. Herzlich willkommen, Durchlaucht! Seien Sie alle herzlich willkommen! Aufrichtig gesagt, ich habe Sie nicht erwartet. Ich kenne die Wüste, und Ihre Maschine hielt ich für zu schwer. Ich hätte gedacht, Sie wären zurückgeblieben. Ich war überzeugt, daß die leichteren Maschinen größere Chancen hätten.... Noch einmal, willkommen! Hier herein, hier herein, alles steht zu Ihrem Empfange bereit!“

Es stand in der Tat alles auf das wundervollste eingerichtet bereit. Eine ganze Zimmerflucht wurde uns zur Verfügung gestellt. Russische, französische und italienische Flaggen schmückten die Treppen. In einem großen Salon funkelte eine lange gedeckte Tafel mit 20 bis 30 Kuverts, mit Aufsätzen voll Konfekt, mit schimmernden, kunstvoll gefalteten Servietten: ein prächtiges Panorama von Kristall und Porzellan, das uns Ausrufe des Erstaunens und Wohlbehagens entlockte.

„Ich werde sofort das Komitee benachrichtigen“, erklärte unser Wirt, indem er uns nach unseren Zimmern geleitete.

„Das Komitee?“

„Ja, das russische Komitee zum Empfange der Teilnehmer an der Fahrt Peking–Paris. Es sollte sich zu Ihrem Empfange hier einfinden, aber wir glaubten nicht, daß Sie vor Abend eintreffen könnten. Man hat uns von Tauerin telegraphiert, daß ein Automobil heute früh um ½7 abgefahren sei. Es sind über 250 Kilometer! Entschuldigen Sie uns, wenn der Empfang vereitelt worden ist.“