Der Weg schlängelte sich durch Täler und überschritt Hügel; er war etwas steinig, mitunter etwas steil, und würde für Wagen mit Pferden sehr schlecht, wenn nicht unpassierbar gewesen sein. Er zwang uns, sehr langsam und unter Beobachtung aller Vorsichtsmaßregeln zu fahren; aber wir waren mit ihm zufrieden. „Wenigstens versinkt man hier nicht!“ riefen wir jeden Augenblick. Das Wetter war schön geworden, der Morgen war bezaubernd. Wir fuhren am Rande blumengeschmückter Wiesen dahin, kamen an Birkenwäldchen vorüber, atmeten die duftige Frische des Frühlings in vollen Zügen ein und konnten uns nicht satt sehen an all diesen uns so neuen Dingen. Die Stunden verflossen ohne Langeweile. Nach dem Zwischenfall mit dem Sumpfe fanden wir alles leicht, alles einfach; wir hatten Geduld gelernt. Wenn wir von der Straße abirrten und uns nach den hervorstechendsten Landmarken sowie nach den unvollständigen Angaben der Karte orientieren mußten, so fanden wir uns mit guter Laune in unser Schicksal. „Besser als einsinken!“ wiederholten wir uns zum Troste. Die im Sumpfe überstandene Gefahr hatte uns neue Tugenden eingetragen.

Die Maschine erklomm die steilsten Abhänge mit Leichtigkeit. Um 10 Uhr befanden wir uns auf dem Gipfel eines hohen Hügels, wo wir anhielten, um eine herrliche Landschaft zu bewundern. Hinter uns zog sich ein Gelände mit einer abwechslungsreichen Abstufung höherer und niederer grüner Hügel hin, bis es, im Duft der Ferne verschwimmend, in das große, von leuchtendem Blau erfüllte Tal des Tola überging. Urga war nicht mehr sichtbar; es verbarg sich hinter dem Absturz der letzten fernen Höhen. Aber wie um seine Lage zu bezeichnen, um dem frommen lamaistischen Wanderer anzugeben, wohin er den sehnsüchtigen Blick richten solle, um den heiligen Sitz des lebenden Buddhas zu entdecken, erhob sich auf dem einen Berggipfel eine weiße Pagode; sie schien in der Sonne zu funkeln. Mongolische Reiter, dem Äußern nach Soldaten, waren von ihren Pferden gestiegen und spähten nach Urga hin. Wir rissen sie durch unseren Motor, der ihre Pferde unruhig machte, aus ihren Betrachtungen. Dann setzten wir unsere Fahrt rasch fort.

Aber jede Medaille hat ihre Kehrseite. Jener Hügel, der uns ein so malerisches Schauspiel geboten hatte, hatte eine unheilvolle Kehrseite. Der Pfad senkte sich jäh in gerader Linie vom Gipfel bis zum Fuße; er war voller Steine, Kiesel und Felsblöcke und wandte sich ganz nach links, wo er am Rande eines Abgrundes entlang lief.

Ettore, welcher steuerte, zog sofort die beiden stärksten Bremsen an und schaltete die Transmission aus. Der Wagen glitt einige Meter abwärts auf fast unbeweglichen Laufrädern und sprang über Kiesel, bis er an große Steine stieß und stehenblieb. Die Bremsen wurden allmählich gelockert, aber die Maschine bewegte sich nicht.

„Die Steine vor den Rädern müssen fortgenommen werden“, bemerkte Ettore.

Der Fürst und ich stiegen ab, um diese Arbeit in Angriff zu nehmen. Aber die Steine saßen fest in der Erde, und es gelang uns nicht, sie fortzuwälzen.

„Es tut nichts,“ versetzte Ettore, „mit einem kleinen Ruck des Motors komme ich über die Steine und fahre voraus.“

Gesagt, getan; er schaltete die Transmission wieder ein. Wenig fehlte, so hätte dieses Manöver zu einer Katastrophe geführt! Die Neigung der Straße war so stark, daß das Automobil nach Überwindung des Hindernisses trotz Anwendung der Fußbremse den Abhang unaufhaltbar hinuntersauste, und in der kurzen Zeit, die Ettore brauchte, um auch die stärkere Handbremse anzuziehen, war die Geschwindigkeit zu groß geworden, um sie noch beherrschen zu können. Die Maschine hatte die Oberhand gewonnen. Sie schoß mit solchem Ungestüm über die Steine hinweg, daß sie bei jedem Stoß in die Höhe sprang. Mitunter richtete sie sich wie beflügelt auf den Hinterrädern empor und fiel krachend zurück. Sie erlitt heftige Schwankungen, die sie von einer Seite auf die andere schleuderten; das Gepäck löste sich; man hörte ein unheilverkündendes Klirren von Eisenteilen. Fürst Borghese hatte sich an das wütende Ungetüm angeklammert und wurde von ihm heftig mitgerissen und hin und her geschüttelt.

Er hatte sich neben der Maschine befunden, als Ettore den Motor in Bewegung setzte, und als er sie davonsausen sah, hatte er einen raschen Versuch gemacht, sie aufzuhalten. Einen Augenblick setzte er, getrieben von einem unüberlegten, verzweifelten Verlangen, sie zu retten, ihrem Hinuntergleiten einen erbitterten, aber nutzlosen Widerstand entgegen. Er hatte die Gefahr bemerkt und kämpfte instinktmäßig gegen das Unvermeidliche an, indem er alle seine Kräfte und all seinen Willen daransetzte.

„Bremsen! bremsen! bremsen!“ rief er dabei.