Die Bevölkerung von Maimatschen wurde durch unsere Ankunft in Aufregung versetzt. Man hatte uns von den sandigen Hügeln herunterkommen sehen, und alle Chinesen in ihren blauen Kleidern liefen, die Fächer bewegend, auf die Straße, kamen uns entgegen und drängten sich um uns, während wir durch die Stadt fuhren. Keine Frau befand sich unter ihnen. Es ist eine Eigentümlichkeit Maimatschens, die auffallendste, die sich in einer Stadt, die Tausende von Einwohnern zählt, denken läßt: es gibt hier keine Frauen. Ich weiß nicht, ob dies auf einer Bestimmung der Verträge mit Rußland beruht, das an seiner ganzen östlichen Grenze die Eroberungszüge der Fruchtbarkeit der gelben Rasse fürchtet, oder auf einem freiwilligen Entschluß der Chinesen, die davor zurückscheuen, sich fern von ihrer Heimat anzusiedeln, um nicht nach dem Tode gemäß ihren Anschauungen das schmerzlichste Exil, das der Seele, zu erdulden. Tatsache ist, daß Maimatschen eine Männerstadt ist.
In den Sanddünen bei Kiachta.
Diese Seltsamkeit hat ein Gegenstück, das vielleicht nicht ganz außer Zusammenhang mit ihr steht: drei Li von Maimatschen entfernt liegt in der Ebene ein Jurtendorf, das einzig und allein von mongolischen Frauen bewohnt ist.
Ein junger Chinese winkte uns zu, wir möchten halten, und redete uns englisch an. Er wollte die Ehre haben, uns zu beherbergen, wenn auch nur auf wenige Minuten, wie alle seine Kollegen von Kalgan bis Urga diese Ehre gehabt hatten: es war der Vorsteher des Telegraphenamtes.
„Ich habe den Polizeikommissar von Kiachta von Ihrer Ankunft benachrichtigen lassen,“ sagte er, als er uns in seiner Privatwohnung empfing; „inzwischen können Sie sich erfrischen, sich waschen und etwas trinken.“
Wir befanden uns allerdings in einem unbeschreiblichen Zustande. Unsere Gesichter waren buchstäblich schwarz von Staub, und auf unseren Kleidern lag eine dicke Kruste der verschiedenen Schmutzarten, mit denen wir auf unserer Fahrt in vertraute Berührung gekommen waren: schwarzer Schmutz aus den Sümpfen, gelber aus dem Chara-gol, weißer aus dem Iro. Man brachte uns warmes Wasser, kaltes Wasser, Seife, Kämme, Handtücher, Kleiderbürsten und dann Zigaretten, Wein, Milch, Biskuits, eingemachte Früchte. Wir versuchten und kosteten alles; wir verwandelten uns äußerlich und innerlich. Endlich machten wir uns auf die Ankündigung hin, daß der Kommissar uns erwarte, dankbar und neu gestärkt wieder auf den Weg.
Eine Minute später verließen wir das Himmlische Reich. —
Neben dem Grenzpfeiler stand als Posten der erste Gorodowoi (Schutzmann), den wir zu Gesicht bekamen, in weißer Uniform, mit flacher Mütze, den Säbel am Wehrgehenk, die Brust mit roten Verschnürungen geschmückt. Er erhob die Hand und befahl:
„Stoi!“ — „Halt!“