„Aber so kommen Sie doch!“ wiederholte er angstvoll. — „Rasch! Wenn der Balken bricht, sind Sie tot!“

„Ich kann nicht!“ entgegnete ich. „Hilf mir, ziehe mich heraus!“

Er faßte mich energisch unter den Schultern und zog mich aus jener Enge hervor. Wir waren nun alle drei auf den Füßen, fragten einander und tauschten Ausdrücke höchster Befriedigung. Als wir die Lage des Automobils prüften, riefen wir:

„Es ist unglaublich! Wir sind wie durch ein Wunder gerettet!“

Fürst Borghese hatte sich, als das Automobil in die Tiefe stürzte, mit einem instinktiven Schwunge nach rückwärts gewandt und an einen Balken angeklammert; in dieser Stellung war er verblieben, bis die Maschine beim Umstürzen sich gerade gegen seinen Rücken lehnte. Er war zwischen dem Balken und dem Motorgehäuse eingeklemmt, zusammengepreßt, beinahe erstickt. In diesem Augenblicke hatte er den Schrei ausgestoßen, der mich veranlaßte, nach oben zu schauen. Mit jener Riesenkraft, die der Mensch in der Gefahr findet, hatte er einen Augenblick das Automobil heben und sich freimachen können. Er vermochte sich nicht mehr zu erinnern, wie er imstande war, sich von seinem Sitze zu erheben und sich an das Brett anzuklammern. Die Ereignisse dieses entscheidenden Augenblicks waren aus seinem Gedächtnis ausgelöscht. Das enge Zusammenpressen hatte ihm zwei starke Quetschungen an Rücken und Brust verursacht; wenn er tief Atem holte, empfand er lebhaften Schmerz. In aller Ruhe sprach er seine Meinung dahin aus, daß einige der letzten Rippen an der linken Seite gebrochen seien. Ettore hatte nur eine Hautabschürfung davongetragen. Er war auf seinem Führerplatze geblieben und hatte sich an das Steuerrad festgeklammert, bis schließlich sein Kopf unten war und die Beine in die Luft ragten. Dann hatte er sich durch die Öffnung der Brücke nach unten fallen lassen. Als er sich umsah, hatte er mich in meiner gefährlichen Lage entdeckt und war zu meiner Rettung herbeigeeilt. Ich hatte mir beim Sturz Schäden zugezogen, deren Umfang ich nicht kannte; bei jeder Bewegung spürte ich einen Schmerz im Rücken, und es war mir nicht möglich, die Beine vollständig zu heben; sie versagten den Dienst; ich schleppte sie in kleinen Schritten vorwärts. Ich mußte mich später stützen lassen. Vierzehn Tage lang habe ich mich nur mit Anstrengung und mit schleichenden Schritten fortbewegen und jede Stufe nur mit Mühe und Seufzen ersteigen können. Während dieser Zeit glaubte ich meinen Reisegefährten zur Last zu fallen. Im Gesicht hatte ich mehrere Hautabschürfungen, von denen ich aber nicht weiß, wodurch sie hervorgerufen worden sind; ich erinnere mich nur, daß das Öl der Maschine sie mir vortrefflich geheilt hat. All diese Quetschungen konnten uns aber nichts von unserem Glücke rauben, dem Glücke, uns alle am Leben zu wissen.

Das Automobil nach seinem Saltomortale.

Die Reaktion der Freude brach jetzt durch. Die Gefahr war vorüber und hinterließ in uns nur noch die Empfindung eines Albdrucks. Wenn man träumt, man stürze von einer Höhe herab, so ist man beim Erwachen froh, nur geträumt zu haben. Wir verlebten einen Augenblick dieser unsagbaren Befriedigung. Wir lachten, wenn wir das umgestürzte Automobil ansahen, als hätte es sich mit uns einen Scherz gemacht. Wir photographierten es von allen Seiten, wobei wir uns die wenig angenehmen Stellungen zeigten, die wir kurz zuvor eingenommen hatten.

„Ich lag hier, so!“

„Ich unter jenen Brettern!“