Alle waren wir froh, nicht unten auf dem Grunde zu liegen, wenn wir uns vorbeugten, um, von einer unwiderstehlichen Gewalt getrieben, über das Geländer zu sehen. Wir freuten uns, nicht zerschmettert untenzuliegen.
Am 4. Juli trafen wir gegen 2½ Uhr nachmittags in Nischne-Udinsk ein, das etwa 500 Kilometer von Irkutsk entfernt liegt. Wir wurden von der Polizei empfangen, die uns sogar eine Wohnung in ihrem Amtsgebäude eingeräumt hatte. Es ist nun einmal so, gewisse Ehren kommen nur großen Männern und Verbrechern zu! Ein Gendarm bereitete uns Tee, ein Gendarm machte uns die Betten, ein Gendarm kochte unser Essen. Es war die gebändigte Gewalt. Man stelle sich vor, einem strammstehenden Gorodowoi die Gerichte zu nennen, die er auf den Tisch bringen soll! Das Außerordentliche dabei war, daß die Speisen vorzüglich waren.
Während der Fürst den Polizeikommandanten und die Beamten empfing, während Ettore, der den Vorrat an Brenn- und Schmiermaterial glücklich gefunden hatte, die Maschine putzte und mit Nahrung versorgte, hatte ich einen heldenmütigen Kampf mit dem Telegraphenamte von Nischne-Udinsk zu bestehen, der damit endete, daß es mir gelang, meinen Bericht abzusenden. Nach den opiumrauchenden Telegraphisten in Hsin-wa-fu hatte ich kein seltsameres Amt mehr angetroffen. Bei Überreichung der Depesche fragte der Beamte:
„Was für eine Sprache ist dies?“
„Italienisch“, erwiderte ich.
„Wir befördern nichts Italienisches.“
„Sie müssen italienische Depeschen befördern gemäß den internationalen Bestimmungen.“
„Wer gibt uns aber die Versicherung, daß es wirklich Italienisch ist?“
„Ich.“