In Nischne-Udinsk.

Das war zuviel! Ich lief, um mir Hilfe zu holen, und traf Herrn Radionoff, unseren guten Reisegefährten, der uns anfänglich nur ein Stück über Irkutsk hinaus hatte begleiten wollen und jetzt die augenscheinliche Absicht verriet, uns nicht mehr verlassen zu wollen.

Ich zog ihn nach dem Telegraphenamte und teilte ihm meine Erbitterung mit; wir sprachen beide auf den Beamten ein. Vergeblich! Dann hatte ich einen guten Gedanken; ich nahm ein Formular, füllte es mit einem empörten Proteste aus und ließ diesen als dringendes Telegramm an den Generaldirektor der Telegraphenverwaltung von Sibirien in Irkutsk telegraphieren. Eine Stunde später war die italienische Sprache in Nischne-Udinsk amtlich anerkannt! Als Journalist aber sehnte ich mich von Herzen nach den kleinen chinesischen Telegraphisten zurück, die in den fernen, aus Lehm gebauten Telegraphenämtern der Wüste Gobi von jedem Verkehr abgeschnitten sind, nach jenen wackeren bezopften Telegraphisten, die an den Kopf meiner Depesche „Nummer 1“ setzen mußten und sie ohne Irrtum und ohne Verspätung über alle Kabel des Orients hinweg beförderten!

Abends spät entschloß sich Freund Radionoff, uns zu verlassen. Der Wind und die Kotspritzer hatten ihm unversehens eine Augenentzündung verursacht, die es ihm nicht mehr gestattete, die Genüsse einer längeren Automobilfahrt zu würdigen. Als er sich von mir verabschiedete, erklärte er mir mit einem Anflug vertraulicher Genugtuung:

„Wissen Sie, ich bin auch ein bißchen Journalist!“

„Wirklich?“

„Jawohl. Heute habe ich eine Depesche an die Irkutsker Zeitungen aufgegeben. Hier ist sie: ‚Auf Automobil Borghese erreichten wir Nischne-Udinsk 2 Uhr 35. Herrliche Fahrt.‘“

„Ist das alles?“