Am Nachmittag brach ein heftiges Gewitter los. Die Blitze zuckten, und der Donner hallte beständig von Tal zu Tal wider. Die Straße füllte sich mit Wasser, und der strömende Regen hüllte alles in einen dichten Schleier. Bei dem Dorfe Taitisk setzten wir in einem Boote über den Fluß Birüssa, einen Nebenfluß der Tschuna, die wir am Morgen bei Nischne-Udinsk überschritten hatten. Reißend, angeschwollen und trüb wie ein großer Gebirgsstrom, rollte er seine Fluten dahin. Das Gewitter hatte sich verzogen, aber einige Stunden später, als wir in das Tal des Kan hinabfuhren, überraschte uns ein neues Unwetter. Auf einem großen Trajektboote, das dem auf der Selenga bei Werchne-Udinsk ähnlich war, setzten wir über den Kan, während dieses neue wütende Gewitter im bleichen Scheine der Blitze tobte.

In einer Lichtung der Taiga.

Im Kan trafen wir den ersten Fluß, der sich in den Jenissei ergießt. Wir hatten endgültig das Becken der Angara verlassen und betraten Mittelsibirien. Kansk am Ufer des Kan erwies sich als eine Stadt. Es lag ein Anstrich von Großartigkeit über ihr, der von zwei Dingen herrührte: von dem Nebel, der die Umrisse der Stadt undeutlich machte und vergrößerte, und von der Anwesenheit einer gewerblichen Anlage am Ufer des Flusses. Ein junger Mann, dem Aussehen nach ein Student, der sich ebenfalls auf dem Fährboot übersetzen ließ und der uns gegrüßt hatte, verstand das Wort „Fabrik“, das wir von jenem Gebäude mit den hohen Schornsteinen gebrauchten, und wandte sich an uns mit den Worten:

„Nein, es ist keine Fabrik.“

„Was ist es denn sonst?“

„Es würde besser für Kansk sein, wenn sie nicht bestünde. Sie verarmt das Land, statt es zu bereichern. Sie ist sein Verderb. Sie ist der Verderb Rußlands.“

„Nun also, was ist es denn?“

„Eine staatliche Schnapsbrennerei.“

Wir waren durchnäßt, als hätten wir den Fluß durchschwommen. Die Straßen des Ortes fanden wir überschwemmt und verlassen; nur ab und zu kam eine Droschke vorübergerumpelt. Wir kehrten in einem alten, aus Holz erbauten Gasthofe ein, dem besten der Stadt, wohin man das für uns angekommene Benzin und Öl brachte. Der Gasthof hatte keine andern Nachtgäste mehr; aber der Billardsaal im Erdgeschoß war gedrängt voll von Beamten, voller Lärm und Rauch. In der Nacht mischten sich in das weithin vernehmbare Rauschen des Regens das Stimmengewirr der Spieler und das Klappern der Billardkugeln.