Wir waren ratlos. Ein kleiner Fluß wie der Kemtschug schlug uns ein Schnippchen! Wir rechneten aus, wieviel Zeit der Bau eines breiten, festen Flosses in Anspruch nehmen würde: es waren mindestens zwei Arbeitstage. Da griffen wir zu einem Gewaltmittel. Wir ließen den Starosten rufen.
Es war ein alter Muschik mit weißem Barte, bekleidet mit einem samtenen, mit Stickereien besetzten Armiak, der ihm das Aussehen eines heruntergekommenen Bojaren gab. Fürst Borghese überreichte ihm die amtlichen, vom Ministerium des Innern und dem Polizeidirektor des Kaiserreiches ausgestellten Schriftstücke, die allen Behörden befahlen, uns jede Hilfe und jeden Schutz angedeihen zu lassen, und sagte zu ihm in feierlichem Tone:
„Lesen Sie!“
Unglücklicherweise konnte der Starost nicht lesen und betrachtete würdevoll die Dokumente, die er verkehrt in der Hand hielt. Aber ein junger Mensch, der eine Militärmütze trug, nahm sie ihm aus der Hand und las sie den versammelten Einwohnern laut vor.
Der Starost verneigte sich tief. Was auf jene wackeren Leute den meisten Eindruck machte, war der Titel des Fürsten und seine Eigenschaft als Parlamentsmitglied.
„Er ist Mitglied der italienischen Duma!“ hörten wir sie in bewunderndem Tone wiederholen.
„Er ist ein Knjäs.“
„Er hat eine Podoroschnaja von der Regierung.“
„Es ist so gut, als wäre er ein Kurier des Kaisers!“
Der Starost fragte, was er tun solle. Der Fürst erwiderte ihm, er müsse unbedingt vor Abend noch in Atschinsk sein. Er müsse daher sobald wie möglich über den Fluß. Es wurde eine kurze Beratung unter den Muschiks gehalten, an deren Schlusse der Alte mit einer Verbeugung erklärte, er hoffe uns in einigen Stunden über den Kemtschug setzen zu können. Inzwischen lud er uns ein, in seiner Isba zu warten, wo uns seine Frau in den Ehrentassen Tee anbot.