In dem feierlichen Schweigen der Pekinger Nacht, das kaum durch das Schlagen des Tamtams unterbrochen wurde, das sich alle Stunden näherte und entfernte und das Vorüberziehen einer Polizeironde anzeigte, in diesem ernsten Schweigen, das von Zeit zu Zeit aus der Ferne einen geheimnisvollen Gongton herüberschallen ließ, lag ich aufgeregt und schlaflos; ich litt in der Tat unter einem Gefühl des Zweifels. Ich empfand wieder die Atmosphäre Pekings, und die Wettfahrt erschien mir wie ein Traum. Alles Vorgefallene nahm mit einem Schlage in meinem Geiste die Gestalt des Unwahrscheinlichen an. Das Vorhandensein eines Automobils in Peking schien mir unsinniger als das einer Sänfte auf der London Bridge. Empfinden, daß man in Peking ist, heißt, sich um Jahrtausende zurückgeschleudert fühlen, in ein weit entferntes, unveränderliches Leben. Jene tausendjährige Zivilisation hat den Gipfel ihrer Vollkommenheit erreicht und will ihn behaupten, indem sie stehenbleibt. Ein einziges Ding nur schreitet fort: die Zeit. Eine Art Erstarrung schwebt in der Luft, die dich bis zu einem gewissen Grade packt und überwältigt. Es gibt keinen Europäer, der bei längerem Aufenthalte hier im Geiste nicht etwas Chinese wird. Dieses Vergessen der Gegenwart wird vielleicht mit dem feinen Staube eingeatmet, der hier von so vielen altertümlichen Dingen herabrieselt. Auf einer Fahrt durch die Straßen von Peking und von China vermochte ich mir unsere „Itala“ nicht vorzustellen. „Um 8 Uhr Abfahrt!“ Leere Worte! Um 8 Uhr wird das Automobil unbeweglich stehengeblieben sein, und die künftigen Jahrhunderte werden es unbeweglich an derselben Stelle finden, verwandelt in ein chinesisches Monument gleich jenen kolossalen Schildkröten aus Stein, die man auf den Tempelhöfen erblickt, als Schmuck und Symbol. —
Überwindung der Sandhänge von Ta-tu-mu.
Grau, bewölkt brach der Tag an, ein grämlicher Tag. Bis zum vorhergehenden Abend hatte sich das Wetter schön gehalten, in der Nacht aber schien es, als hätten die chinesischen Gottheiten den sofortigen Beginn der gefürchteten Regenzeit beschlossen.
„Wird es regnen?“ fragte ich den Boy, der mich wecken gekommen war.
Er betrachtete die Wolken.
„Ja, Herr,“ erwiderte er, ohne zu zögern, „es wird schon morgen früh regnen.“
„Und später?“
„Auch später.“