Die Kette wird vor dem Automobil herabgelassen, das sich langsam von dem einen Kaiserreiche zum andern hinüberbewegt. Die wachehabenden Gorodowoi grüßen uns militärisch steif. Rasselnd hebt sich die Kette hinter uns. — —
Wir sind in Deutschland!
Zwei deutsche Gendarmen mit der Pickelhaube legen die Hand an den Helm. In diesem Augenblick nähert sich uns ein Brausen von Motoren, untermischt mit fröhlichem Hörnerklange: drei Automobile erscheinen pfeilschnell auf der deutschen Straße.
Im Nu sind sie in unserer Nähe und halten, und es ertönt der erste deutsche Gruß, ein dreifaches „Hoch!“, zu gleicher Zeit von zehn Stimmen ausgebracht, während sich zehn Mützen in der Luft bewegen. Es sind Mitglieder der Sektion Königsberg des Kaiserlichen Automobilklubs. Wir antworten bewegten Herzens. Von diesem Augenblicke an traten wir gleichsam unter den hohen Schutz des Kaiserlichen Klubs, ein Schutz, der uns von Stadt zu Stadt geleitete und uns das wohltuende Gefühl verschaffte, überall eines freundschaftlichen Empfanges sicher zu sein.
Auch in der deutschen Grenzstation Eydtkuhnen werden die Zollgeschäfte rasch erledigt; eine Nummer wird an das Automobil befestigt, und wir erhalten die Erlaubnis, uns auf deutschem Boden frei bewegen zu dürfen; sie ist begleitet von einem Chauffeurpatent, das dem Fürsten ohne Examen eingehändigt wird. Um 7 Uhr brechen wir alle nach dem 150 Kilometer entfernten Königsberg auf.
Die Straße ist wundervoll; sie ist von Bäumen eingefaßt, unter deren Schatten wir dahinfliegen. Wir fahren durch Stallupönen mit seinen weiten roten Kasernen, die von Pickelhauben wimmeln, dann folgen Gumbinnen, Insterburg, Wehlau, alles Städtchen, von denen wir beim Dahinjagen kaum ein Bild erhaschen, schmuck, in Ordnung gehalten, von frischem, sauberem Aussehen, als seien sie eben erst erbaut.
In Königsberg langen wir um 10 Uhr an. Es ist eine elegante, malerische Stadt mit ihren alten Giebelhäusern, ihren schrägen Dächern, auf deren oberstem Rande Freund Adebar unbeweglich und sinnend dasteht, mit den spitzen Türmen und den altertümlichen Befestigungen, die mit Zugbrücken, die sich nicht mehr heben, ausgestattet sind. Alles fliegt in schwindelnder Eile, in bezaubernder Verwirrung an uns vorüber.
Von den Kollegen vom Automobilklub werden wir zu einem Frühstück in einem Gasthofe genötigt. Die Menge drängt sich an unserer Tür, eine disziplinierte, geschulte Menge, die uns mit taktmäßig im Chor aufgebrachten „Hochs“ begrüßt. Schüchtern überreicht uns ein kleines Mädchen Blumen und ergreift dann die Flucht.