Paris.
An der Maas entlang. — Die französische Grenze. — Reims. — Die Reliquiensammler. — Meaux. — Eine schlaflose Nacht. — Die letzten Stunden. — An den Toren von Paris. — Auf den Boulevards. — Die Fahrt ist zu Ende!
In Lüttich bemerkten wir, daß sich unser Automobil wie ein Album nach und nach mit Namenszügen bedeckte. Sie waren mit Bleistift auf die Benzinbehälter und auf den Kasten für die Reservestücke geschrieben: fast alles unbekannte Namen, begleitet von den Daten von Moskau, Petersburg, Königsberg, Berlin! Ettore schonte beim Putzen der Maschine diese Schriftzüge, die ebenso viele anteilvolle Wünsche und bescheidene Freundschaftsbekundungen von Leuten darstellten, die wir vielleicht gar nicht gesehen hatten und die wir nie wiedersehen würden.
Ettore hörte keinen Augenblick auf, das Automobil liebevoll zu pflegen und zu warten. Wenn es bis hierher gekommen war, so verdankten wir dies großenteils seinem Eifer. Auch jetzt schlief er neben ihm ausgestreckt. Seine Liebe war zur Eifersucht geworden. Er gestand, mit Schmerz an den Augenblick zu denken, an dem er sich von ihm trennen müsse.
Am 9. August früh 5½ Uhr ergriff der Fürst das Steuerrad, und wir fuhren in der Richtung auf Namur weiter. Wir durcheilten auf den noch menschenleeren Straßen rasch Lüttich bis zur Maas, längs deren Ufern wir einen entzückenden Weg einschlugen.
Der heitere Tag machte auch die Maas heiter, deren ruhig dahinfließendes Wasser in blitzendem Flimmern das grüne Gebüsch der Hügel, die Bogen der Brücken, die Takelage der Boote und Jachten widerspiegelte. Die Maas hat Stellen, an denen sie einem See von großer Länge gleicht, der hier und da von dem dichten Schatten der Rauchwolken verfinstert wird, die die zahlreichen Kohlenbergwerke wie Vulkane unaufhörlich ausstoßen.
Paris ist nur noch 388 Kilometer entfernt!
Wir kommen durch Huy und nach Namur, das von den weißen Mauern der alten Zitadelle überragt wird. Breite Barken fahren den Fluß hinauf, gezogen von starken Pferden, die unsere Straße benutzen und sie oft versperren; dann fahren wir langsam und sehen die Reihe der vier „Itala“-Maschinen sich zusammenschließen. Die Vertreter der Pariser Presse, sympathische Reisegefährten, folgen uns auf dem Fuße. Wenn das Tal sich enger zusammenzieht, erfüllen wir es ganz mit Staub, der wie ein Nebel an den Hügeln emporsteigt. Um 8 Uhr sind wir in Dinant.
Nach einer Viertelstunde zeigen wir einander etwas, das uns von unseren Sitzen emporspringen läßt: die erste französische Flagge, die am Hinterteile eines die Maas hinabfahrenden Dampfers weht.
Dann kommen wir bei Agimont an die französische Grenze. Wir würden es gar nicht bemerkt haben, wenn nicht ein belgischer Zollbeamter uns angehalten hätte, um uns in der Ferne das auf einem Seitenwege erreichbare Zollamt zu zeigen, auf dem wir die Zollgeschäfte rasch erledigen.