„République Française“ lesen wir auf einer halb zwischen Bäumen versteckten Tafel. Halt! Wir bringen das Automobil zum Stehen. Die gastlichen Pariser Kollegen wollen den Augenblick, in dem wir den Boden Frankreichs betreten, festlich begehen. Es kommen Champagnerflaschen und Gläser zum Vorschein, die aus einem ländlichen Gasthofe der Umgebung stammen; im Nu sind die Gläser gefüllt und die Flaschen geleert. Das stille Tal hallt mit einem Male wider von Evvivas auf Frankreich und Italien!
Rasch besteigen wir wieder die Maschinen. Die französischen Zollbeamten halten uns nicht lange auf, und bald sausen die vier mächtigen Automobile auf den breiten, wundervollen französischen Straßen dahin.
Paris ist noch 300 Kilometer entfernt!
Jetzt sind wir in dem befestigten Givet. Auf dem grasbewachsenen Glacis blühen Mohnblumen. Aus den großen Kasernen begrüßen uns am Fenster stehende Soldaten.
Die ungeheuere Fabrik, die Belgien in Wahrheit ist, haben wir verlassen. Nun scheint die Sonne uns strahlender, der Himmel blauer; eine ungekannte Freudigkeit liegt über Frankreich ausgegossen. Aber vielleicht hat diese Freudigkeit in uns ihren Sitz.
Um 10 Uhr kommen wir durch Fumay, bekannt durch seine Schieferindustrie. Zollbeamte halten uns wieder an, um unsere Papiere zu prüfen. Wir fahren an den sanften Abhängen der Ardennen empor, die von Wäldern beschattet werden, die schon an unsere Flora erinnern. Wie es uns erquickt, das schöne, verführerische bunte Bild einer Vegetation zu erblicken, die wir so sehr lieben! Lebt wohl, ihr frischen regelmäßigen strengen Nadelwälder! Die Straßen gleichen Gartenalleen, so gleichmäßig und eben sind sie. Wir berühren sie kaum, als schwebten wir über sie hinweg.
Rocroy mit seinen historischen Befestigungen kommt in Sicht. Auf dem Marktplatze halten wir, um Benzin einzunehmen. Die scharfriechende Flüssigkeit rinnt gurgelnd in die Behälter, und die leeren Behälter, die wir die „Leichen“ nennen, werden auf den Boden gestellt. Die Maschinen frühstücken.
Paris ist noch 263 Kilometer entfernt!
Während wir durch den Wald fahren, springt hinter den Bäumen ein Zollwächter hervor, der uns zu halten befiehlt, während ein Kamerad sich in größerer Entfernung zeigt. Er schwingt ein Gewehr und hält sich bereit, uns im Notfalle mit überzeugenden Beweisgründen zum Halten zu veranlassen. Es findet abermals eine Prüfung unserer Papiere und eine Besichtigung der Maschine statt. Nachdem sich die diensteifrigen Zollwächter überzeugt haben, daß wir keine Kontrebande in das Gebiet der Republik einschmuggeln, lassen sie uns weiterfahren.
Um 12½ Uhr betreten wir Reims. Reims! Auf wie vielen Flaschen haben wir nicht diesen Namen gelesen! Wir denken an all die Toaste, die in den letzten Tagen ausgebracht worden sind, in den Händen Gläser mit einem Wein gefüllt, der stets den Anspruch erhob, aus Reims zu stammen. Bratengeruch macht sich bemerkbar, und in den niedrigen Fenstern hört man das Klirren in Tätigkeit gesetzter Bestecke und das Klappern von Tellern; es ist die Stunde des Mittagessens in dieser stillen Provinzstadt. Auch wir beschließen, zu diesem Zwecke zu halten.