„Fertig?“

„Ja, fertig.“ Das Automobil gleitet lautlos über den Sand des Gartenweges.

„Viel Glück!“ ruft man uns zu.

„Adieu!“

Am Gitter der Gesandtschaft steht die gesamte Wache und salutiert. Der Posten präsentiert das Gewehr. Wir sind auf der Straße. Welch ungewohnte Lebendigkeit im Diplomatenviertel, das in der Regel bis zehn Uhr schläft! Alle Rikschas von Peking sind im Dienst und führen, von allen Seiten herbeieilend, eine vornehme Schar von Damen und Herren heran. Vor der Kaserne Voyron staut sich eine Menge Chinesen, untermischt mit Soldaten jeder Nationalität. Flaggenschmuck ziert die Mauern, und grüne Laubgewinde ziehen sich um die Flaggen. Ein Vorhang spannt sich quer über die Straße; auf ihm steht geschrieben: „Bon voyage!“ „Bon voyage!“ ist der Gruß, der uns aus jedem Munde entgegentönt. Ein Unbedachtsamer ruft: „Au revoir, auf Wiedersehen!“ — die Menge lacht.

Der Hof der Kaserne ist gedrängt voll. Man hätte an das Abwiegen bei einem Pferderennen an einem Grand Prix-Tage denken können. Alle Fremden hatten sich hier ein Stelldichein gegeben. Die wenigen Europäer und Amerikaner, die über die entferntesten Teile von Tschili zerstreut leben, fanden sich an diesem Punkte zusammen. Es war die Seele unserer Rassen, die innerhalb dieser Mauern ihre Schwingen regte. Jedermann, welcher Nationalität er auch angehören mochte, empfand Stolz über das Ereignis, das ihn zu erscheinen veranlaßt hatte. Es war eine Art Solidarität der Kultur, der Erziehung, des Instinkts. Man muß sich in der Ferne befinden, allein mitten in einer andern Zivilisation, um die Verbrüderung der eigenen Zivilisation zu bekunden. Man feierte ein abendländisches Fest im Herzen von Peking.

Unter das Personal der Banken, der Handelshäuser, unter die Bevollmächtigten der Syndikate mischten sich einträchtig die Angehörigen der Gesandtschaften, Damen, Offiziere, Gesandte. Die Gesandten von Frankreich, Holland, Österreich, Rußland tauschten Grüße in allen Sprachen aus. Ein würdig aussehender alter kleiner Herr mit charakteristischem weißem Bärtchen, das ihm etwas Chinesisches gab, mit lebhaftem, energischem, durchdringendem Blick drängte sich durch die Menge, die ihn achtungsvoll grüßte und halblaut sagte: „Auch Sir Robert ist hier?“ Es war Sir Robert Hart, der große Volkswirt.

Jetzt hält eine Sänfte an der Kasernenpforte, und heraus steigt ein junger Würdenträger, der Mandarin Kwo, einer der Sekretäre des Wai-wu-pu, der sich endlich daran erinnert hat, daß er von Paris aus zum Mitglied eines nur in der Idee bestehenden „chinesischen Komitees für die Wettfahrt Peking–Paris“ ernannt worden war. Er vertrat die Kaiserliche Regierung bei der Feier, indem er sich höflich nach allen Seiten verneigte und den Abreisenden sowie den andern fortwährend wiederholte: „Good bye, good bye!“

Die „Itala“ wartete draußen auf der Straße. Auf dem Hofe, den eine Menge Neugieriger erfüllte, standen die beiden „de Dion-Bouton“, der „Contal“ und der „Spyker“ in voller Reiseausrüstung. Die französischen Fahrzeuge waren grau gestrichen, das holländische weiß, rot und schwarz gestreift — alle bedeckt mit großen Inschriften, die die Reiseroute, die Entfernungen usw. angaben. Eine große alte chinesische Kanone in der Nähe der Automobile, die die Franzosen zur Zeit der Belagerung der Gesandtschaften erobert hatten und die die Kaserne zieren mußte, bot einen seltsamen Gegensatz. Aber bei dieser Gelegenheit hatte sich die alte Kanone ebenfalls mit Flaggen und grünem Laube geschmückt und schien an dem Feste teilzunehmen. Auch sie hatte sich milder stimmen lassen, wie der Wai-wu-pu. Die Kapelle spielte Militärmärsche, während die Teilnehmer an der Fahrt die angenehme Formalität erfüllten, aus den Händen eines Vertreters der Russisch-Chinesischen Bank die hinterlegte Summe von je 2000 Fr., die sie in Paris für die Einschreibung eingezahlt hatten, zurückzuerhalten. Du Taillis bewegte sich allein in der Menge, und sein ausdrucksvolles Gesicht trug die Spuren einer tiefen Bewegung.