Als unser Automobil in der Allee erscheint, bricht ein fürchterliches Geschrei aus. Die Außenmauer der italienischen Gesandtschaft ist dicht von unseren Matrosen besetzt, die stehend, als befänden sie sich auf den Rahen ihrer Schiffe, uns ein dreifaches Hurra zum Gruße zujubeln.

Wir fühlen einen seltsamen Drang in uns; wir haben die Empfindung, als könnten wir mit einem Rufe antworten, der weit lauter ertöne als der ihre, als könnten wir die mächtige Stimme unserer Erregung über die ganze unermeßliche Stadt hin erschallen lassen; wir können aber nichts weiter tun, als schweigend den Hut ziehen. Und unser Blick durchläuft mit liebevollem Erfassen jene hochherzige, tapfere Schar, die uns von der Höhe der Mauern herab zujubelt, von denen sie vielleicht eines Tages zum Kampf heruntersteigen muß.

Die Kapelle hört auf zu spielen und tritt beiseite. Die lärmenden Begrüßungen schweigen. Nichts hält uns mehr auf. „Vorwärts? — Vorwärts!“ rufen die Führer, und die Automobile steigern allmählich ihre Geschwindigkeit. Die Motore stimmen einen höheren Ton an. Hinter uns setzen sich die berittenen Offiziere in Galopp, aber die Entfernung vergrößert sich, und wir verlieren sie aus den Augen.

Auf der Straße, die schwarz ist von chinesischen Soldaten, zwischen zwei Reihen einer stumm dastehenden Bevölkerung sind nur noch die fünf Automobile zu sehen, die sich hintereinander durch die Hauptstadt des Himmlischen Reiches mit einer Schnelligkeit bewegen, die dort noch nie gesehen worden ist und vielleicht auch nie mehr gesehen werden wird!

Drittes Kapitel.

Zur Großen Mauer.

Die Weisheit der Unwissenheit. — Auf den Brücken von Kambaluk. — Unsere Kulis. — In Nankou. — Das heilige Tal. — Die Große Mauer in Sicht.

Eine Polizeiverordnung hatte genügt, um den gewaltigen, vielgestaltigen Verkehr Pekings auf unserem ganzen Wege von acht Kilometer Länge zum Stillstand zu bringen. Die rohen zweirädrigen Wagen, das öffentliche Verkehrsmittel der Stadt, warteten zur Seite und stauten sich an den Kreuzungen und Mündungen der großen Seitenstraßen. Die Menge, an Zucht und Gehorsam gewöhnt, stand längs der endlosen Zeilen niedriger Gebäude und elender Hütten, von denen die Hauptverkehrsadern Pekings eingefaßt werden, in Reihen aufgestellt, mit dem Rücken an die schwarzen, rauchigen Schenken gelehnt, aus denen ein warmer Knoblauchgeruch den Vorübergehenden entgegenschlug; sie drängte sich auf den Schwellen der Kramläden mit ihren Fassaden aus geschnitztem, bemaltem, vergoldetem Holz, von denen herab eigenartige Schilder, Drachen, Fransen von roter Seide, lackierte Tafeln mit Goldbuchstaben in die Straße hineinhängen: kurz jener ganze kennzeichnende Wirrwarr von Farben und Formen, der die chinesischen Geschäfte wie zu einem täglichen Feste schmückt, ein Wirrwarr, der sich unter lautem Geräusch bewegt, schaukelt und hin und her schwankt.