Manöver zum Freimachen eines in eine tiefe Spalte geratenen Vorderrades.

Es war und ist heute noch ein Zufluchtsort für Einsiedler. Jede Felsenhöhlung ist ein Heiligtum, und man sieht heilige Sprüche in altertümlichen chinesischen Schriftzeichen und andere noch ältere in tibetischer, mongolischer und mandschurischer Sprache in die Felsen gehauen, Spuren der Frömmigkeit längst dahingegangener Geschlechter. Oben, auf einem der Felsen, erhebt sich ein seltsamer Bau: ein kleiner Tempel, der in einem Adlerneste errichtet ist; man steigt lange, in den Fels gehauene Reihen von Stufen hinauf, die hier und da mit Gebüsch bewachsen sind. Weiter drinnen in der Schlucht befindet sich ein zweiter Tempel, ein anderer Zufluchtsort des Glaubens, der Jahrhunderte alt ist und nun langsam verfällt. Auf dem Gebirge zeigen sich an unzugänglichen Punkten noch Reste ähnlicher, jetzt verschwundener Bauten, die zusammengesunken sind unter dem Anprall der Schneestürme, die, von Norden einherbrausend, sich in das Tal stürzen und wütend einen Ausweg suchen. In Felsblöcke, die von den Berggipfeln gestürzt sind, hat der fromme Meißel ungeschulter Künstler das Bild Buddhas eingegraben, er hat in den Umrissen des Felsens die Umrisse der Statue gesucht, hat den Steinen die strengen, ernsten Gesichtszüge der milden Gottheit gegeben. Manch riesenhaftes Buddhabildnis ist in wunderbarer Weise in die Felswände des Gebirges eingehauen. Man erblickt einige Reste alter Tempel, Trümmer von Säulen und Pfeilern. Es zeigt sich keine einzige Spur menschlicher Tätigkeit, die nicht eine Bekundung des Glaubens wäre. Beim Durchschreiten dieser Gegend sprach jede Seele: „Ich glaube.“

Unsere Kulis bei der Arbeit in den Felsen des Lien-ya-miao.

Dieser Weg hat auch eine religionsgeschichtliche Bedeutung: auf ihm ist der Lamaismus, der tibetische Buddhismus, nach China eingedrungen. Aus dem Herzen Asiens, dieser Quelle von Religionen, sind Wogen der Frömmigkeit durch diese Täler herübergeflutet, um die Seelen der Chinesen zu neuen Kulten zu bekehren. Es ist nichts Seltenes, hier fremde Pilgerzüge anzutreffen. Als Fürst Borghese die Straße nach Kalgan erkundete, hatte er einige Tage zuvor hier einen Büßer mit geschorenem Kopfe und in langem grauem Gewande getroffen, der betend und alle drei Schritte niederkniend, um den Boden zu küssen, den Weg zurücklegte. Borghese erkundigte sich nach ihm. Der Pilger war auf dem Wege nach der heiligen Stadt Urga und hatte auf diese Weise die Mongolei und die Wüste Gobi durchquert. Die Bevölkerung ist gastfreundlich und mildtätig gegen diese wandernden Pilger, die am Abend ihre Mühsal unterbrechen, einen großen Stein auf die Stelle legen, bis zu der sie gekommen sind, um sie am Morgen wiederzufinden, und bis zum nächsten Dorfe gehen, um sich von ihrem frommen Beginnen auszuruhen.

Es kommt uns der Gedanke, daß auch wir, alles in allem genommen, auf einer seltsamen Pilgerfahrt begriffen sind. Auch wir haben ein eigenartiges Gelübde getan und erfüllen es mit Glaubenseifer. Wenn der Mann, der jene drei Schritte tat, seinerseits den Fürsten nach dem Beweggrunde seiner Reise gefragt hätte, würde er gewiß höchst erstaunt gewesen sein.

Nachdem wir durch das Dorf Pa-ta-ling gekommen waren, sahen wir ein ausgezahntes Profil wie eine Zickzacklinie einige entfernte Kämme vor uns umsäumen und andere Berge zu beiden Seiten krönen; wir sahen es hier auftauchen, dort verschwinden, bis es allmählich die Form zahlloser, zu einer Kette verbundener Türme annahm, gleich Scharen wachehaltender Riesen.

Es war die Große Mauer.