In den Felsen des Lien-ha-miao am Ufer des Hun-ho.
Auf dem elenden Hofe, der von baufälligen Schuppen umgeben war, wollten wir sofort den Motor prüfen. Wir fürchteten, daß die Stöße, die Erschütterungen und das unvermittelte Aufundnieder während des Aufstieges die Maschine beschädigt haben könnten. Aber sie setzte sich ganz ruhig in Bewegung, und in Bewegung setzten sich auch die Neugierigen, die sich versammelt hatten und nun die Flucht ergriffen. Nach kurzer Zeit erschienen drei chinesische Soldaten, die der Mandarin des Ortes gesandt hatte, um — das war nicht recht klar — die Chinesen oder — uns zu überwachen. Wir konnten sie nach Belieben für eine Ehren- oder Aufsichtswache nehmen.
Don Livio verließ uns hier kurz nach unserer Ankunft, um noch rechtzeitig zu dem Abendzuge nach Nankou zurückzukehren. Wir nahmen herzlichen Abschied von ihm und begleiteten ihn mit unseren Lebewohlrufen, bis er zwischen den Mauern des Dorfes verschwunden war.
Der feuchte Wind drang durch die zerrissenen Papierfenster und erfüllte unsere niedrigen Kämmerchen.
„Pietro, Feuer! Pietro, heißen Tee! Pietro, etwas zu essen!“
Und Pietro kam und ging diensteifrig und lächelnd, brachte das Kohlenbecken, die Teekanne, Eier und beantwortete alle Fragen in einem Italienisch, das seine ureigene Erfindung war. Pietro ist ein unschätzbarer Diener; er ist der Sohn eines alten Ma-fu der Gesandtschaft. Aus einer Dynastie von Ma-fus stammend, die über die Marställe der italienischen Gesandten herrschte, genoß er oft die Ehre, Aufträge zu erhalten, die Intelligenz und Treue erforderten. So begleitete er uns bis Kalgan als Majordomus und Dolmetscher, als eine Art Adjutant.
„Pietro,“ fragte ihn der Fürst, „bist du Christ?“
„Nein, Buddhist ich!“ erwiderte er.
„Warum nennst du dich dann Pietro?“
„Ich nicht nennen Pietlo mich,“ antwortete er, das r mit l verwechselnd wie jeder gute Chinese, „ich mich nennen Wu-tin.“