Luigi Barzini.

Niemand, der es nicht selbst versucht hat, kann sich vorstellen, welche Arbeit auf einer langen Reise wie der unseren der Mechaniker zu leisten hat: vollständig auf sich selbst angewiesen, ohne die Hilfe von Werkstätten, ohne die Bequemlichkeit einer Garage, in Ländern, in denen jeder Begriff von Mechanik unbekannt ist, wo die Sprache fremd ist und selbst das Denken von dem unseren so sehr abweicht.

Nach sechzehn, achtzehn Stunden Fahrt, während deren er mit zusammengebissenen Zähnen, unter beständiger Nervenanspannung auf jeden Laut des Motors, jedes Knirschen des Wagens gelauscht hat, bemüht, dessen Existenz gegen die Schwierigkeiten des Geländes zu verteidigen; zwei bis drei weitere Stunden unter dem Rahmen ausgestreckt, in der Hitze der überanstrengten Maschine, bei dem übeln Geruche des Öls und der verbrannten Fette nachzusehen, zu prüfen, zu registrieren, die Verschlußstücke, die nachlassen, die Schrauben, die sich lockern, anzuziehen, nicht zufrieden, die durch die Anstrengungen des Tages verursachten kleinen Schäden und leichten Verschiebungen auszubessern, sondern bestrebt, mit Scharfsinn und Findigkeit die möglichen „Pannen“ des morgenden Tages vorauszusehen und ihnen zuvorzukommen: dies ist die regelmäßig wiederkehrende Arbeit Ettores nach wenigen Stunden der Ruhe, die er dem harten Boden abringt, nach den Mahlzeiten, die er in Eile verzehrt, die Füße auf den Tritt gestemmt, während die Maschine von einer Seite der Straße zur andern schwankt. Und dazu kam für Ettore von Zeit zu Zeit noch die Tätigkeit als Wagenlenker.

Entweder löste er mich am Lenkrad ab, um mir etwas Ruhe zu verschaffen, oder die Schwierigkeiten der Straße machten es notwendig, daß ich ihm bei der Fahrt über Stellen, die zu schwierig waren, um sie von der Höhe des Wagens aus zu übersehen, zu Fuß die Richtung angab. Auch als Wagenlenker war er unübertrefflich.

Erinnern Sie sich, lieber Barzini, wie oft ich beim Passieren von Sumpfstrecken oder bei der Fahrt über die schmalen Streifen trockenen Landes auf überschwemmten Straßen gezwungen war, nach Untersuchung des Geländes Ettore durch Steine oder Zweige genau die Punkte anzugeben, über die er die Räder führen sollte?

Und entsinnen Sie sich der wunderbaren Präzision und Raschheit, mit der die Maschine mit dem Maximum der Geschwindigkeit, um ihr Gewicht nicht zur Geltung zu bringen und nicht Gefahr zu laufen, stecken zu bleiben, sich auf den Rand des Sumpfes schwang oder sich aus der Lache voll schwarzen, zähen Morastes wieder herausarbeitete?

Ettore Guizzardi.

Und trotzdem Ettore sich seines Wertes und seiner Fähigkeiten stark bewußt ist — oder vielleicht eben deswegen —, bewahrte er in schwierigen Lagen, bei Strapazen, in Gefahren und bei schlechtem Wetter (erinnern Sie sich der endlosen Tage voll Regen und Schmutz, die wir durchgemacht haben?), bei den Triumphen und Verherrlichungen, die das Unternehmen, an dem er so stark beteiligt war, veranlaßte, dieselbe Seelenruhe, dieselbe Bescheidenheit, dieselbe unveränderlich gute Laune und ausdauernde Arbeitsamkeit, sowie das unerschütterliche Vertrauen auf den Erfolg. Und ich, der ich ihn schon seit zehn Jahren um mich habe als meinen Gehilfen beim Automobilsport, der nicht immer leicht und einfach ist; der ich in ihm einen bewährten, teuren Freund besitze, ich muß ihn meiner wärmsten und herzlichsten Zuneigung, meiner tiefen, dauernden Dankbarkeit versichern. Er ist ein schönes Beispiel eines gebildeten, gewissenhaften Arbeiters.