Er zeigte sich außerordentlich zufrieden mit dieser Antwort, die ihm zugleich einen guten Begriff von unserem erleuchteten Urteil beibrachte.
Begegnung des Automobils mit einer Ochsenkarawane an der Grenze der Mongolei.
Als wir wieder ins Freie traten, bemerkten wir eine Anzahl Reiter, die sich um das Automobil drängten, auf dem Ettore voll heiterer Seelenruhe seine Portion Milch trank. Alle männlichen Bewohner des Lagers schickten sich an, uns zu begleiten, und stiegen in den Sattel.
Wir fuhren rasch von dannen, umgeben von dem eigenartigen malerischen Reitertrupp, unter dem schnellen Hufschlag der Pferde auf dem harten Boden und einem langgedehnten, wilden Geschrei. Um uns herum bewegten sich Zipfel buntfarbiger Röcke; die langen Bänder, die die Mongolen um ihre spitzen Hüte winden, flatterten in der Luft; Roßmähnen und Roßschweife wogten auf und nieder. Aber unsere Gastfreunde hatten sich über die Möglichkeit, uns weit zu begleiten, geirrt. Vergebens trieben sie die Pferde durch Zuruf und Reitgerte an, vergebens jagten die Armen ventre à terre dahin. Schon nach einer Minute entfloh das Automobil seiner Eskorte, deren Geräusch sich in der Ferne verlor, und befand sich allein in der grasbedeckten Wüste.
Viele jener Männer waren Lamas, wie man an ihrem geschorenen Kopfe sehen konnte; andere Abzeichen ihrer priesterlichen Würde trugen sie nicht. Es gibt so viele Lamas in der Mongolei, daß sie die Mehrzahl der männlichen Bevölkerung ausmachen. Wenn ein Vater fünf Söhne hat, so bestimmt er drei zu künftigen Lamas. Es gibt Lamas, die Hirten, Karawanenführer, Pferdehändler sind; es ist eben notwendig, daß die Mönche in den Erwerbszweigen des Volkes tätig sind, wenn sie ein Volk werden. Die Mongolei ist ein unermeßliches Kloster. Im Lamaismus ist die alte Energie der Rasse erloschen; ein Volk von Kriegern ist zu einem Volke von Philosophen geworden.
Mehrere Stunden vergingen. Das Land veränderte sich allmählich. Die Steppe hörte auf und räumte den Platz weiten, fast unfruchtbaren Strecken, die mit einzelnstehenden fetten Gräsern bewachsen waren. Auch die Bodenbeschaffenheit wechselte; wir gelangten von kiesigem Grund auf sandigen, von sandigem Grund auf die Unebenheiten kurzer steiniger Strecken; dann wieder Steppe. Aber wir erblickten keine Herden, bemerkten keine rauchenden Jurten mehr. Der Boden glühte. Wir begegneten einer Karawane von Kamelen, die an seltsame zweirädrige Wagen gespannt waren. Eine andere Karawane trafen wir bei einem Brunnen an. Selten zeigte sich ein Reiter am Horizont.
Weiterhin trafen wir nur noch in der Nähe von Brunnen Spuren von Leben. Auf unermeßliche Entfernungen hin erkannte man das Vorhandensein eines Brunnens an einer ordnungslos durcheinander gemischten Gruppe von Kamelen und blauen, weiß verzierten Zelten.
Wenn man eine gute Karte der Mongolei betrachtet, so sieht man längs des Zuges der Karawanenstraße Namen und Punkte verstreut, und man gewinnt den Eindruck, als handle es sich um Dörfer und Ortschaften. Es handelt sich jedoch nur um Brunnen. Jeder Brunnen hat seinen Namen. Er ist nichts als ein kleines Erdloch, auf dessen Grund Wasser emporquillt, und doch hat er die Bedeutung einer Stadt: er ist das Leben, das Leben der Vorüberziehenden, das heißt das Leben des Handels, das Leben von Ländern, die Tausende von Kilometern von ihm entfernt liegen und aus diesem Handelsverkehr Nutzen ziehen; er ist das Leben ferner Völkerschaften, die sich von diesem Handel ernähren. Die Reichtümer Kalgans, die Reichtümer Kiachtas haben ihre Nahrung aus jenen Brunnen gesogen, die in den Einöden der mongolischen Ebene verlorenliegen.