Die Brunnen, die Halteplätze der Karawanen, sind 30–70 Kilometer voneinander entfernt. Im Winter lagert man des Nachts an ihnen, im Sommer des Tages. Die Kamele liegen mit ihren Lasten in Reihen. Vor der ersten und vor der letzten Last sind zwei Lanzen in den Boden eingerammt, mehr als traditionelles Zeichen denn zur Drohung. Die Männer schlagen ein Lager auf und die Tiere werden frei auf die Weide gelassen, wenn ein Weideplatz vorhanden ist.
Auch wir machten bei dem Brunnen halt, um Wasser für die Maschine zu schöpfen, unseren Durst zu löschen und uns Hände und Gesicht zu kühlen. Einige Minuten verweilten wir auch in der Mitte der Karawanentreiber, die uns mit einem an Bestürzung grenzenden Respekt betrachteten. Kein Zeichen von Feindseligkeit von seiten dieser wackeren Leute. Sie riefen ihre furchtbaren, starken, zottigen Wachhunde zurück und waren uns mitunter mit ihren aus einem Schlauche und einer Stange bestehenden Geräten beim Wasserschöpfen behilflich.
Wasser aus dem Wüstenbrunnen.
Tränken des Automobils.
Mittags hätten wir glauben können, wir wären tatsächlich schon in der Wüste. Wir fuhren durch fast unfruchtbare Landstriche. Die Erde hatte eine rötliche Farbe und zeigte wellenförmige, mitunter jähe Erhebungen, die den Fürsten zu angestrengter Aufmerksamkeit zwangen, um auf den Bodenunebenheiten nicht zu stürzen, was die Maschine zertrümmert hätte. Jede Verminderung der Geschwindigkeit machte uns aber die Hitze stärker fühlbar. Wir waren müde, betäubt von der Sonnenglut und der blendenden Lichtfülle und begannen uns nach dem Schatten unseres abgenommenen Baldachins zurückzusehnen.
Beim Bewältigen einer niedrigen, aber steilen Anhöhe blieb das Automobil plötzlich stehen. Das Benzin im Behälter des Motors war aufgebraucht; er enthielt die für das Durchfahren von 200 Kilometern nötige Benzinmenge. Seit dem Morgen hatten wir also 200 Kilometer zurückgelegt, und waren noch nicht bis zur Telegraphenstation Pang-kiang gelangt, die nach unserer Berechnung etwas über 180 Kilometer von unserem letzten Lagerplatze entfernt war. Waren wir vielleicht an ihr vorübergefahren? Zuweilen hatten wir uns von der Telegraphenlinie entfernt, hatten nicht immer achtgegeben, und Pang-kiang konnte auch abseits von unserer Straße an irgendeiner Abzweigung der Drähte liegen.
Diese Probleme, die uns keineswegs heiter stimmten, beschäftigten uns, während Ettore durch sinnreiche Zusammenstellung von Hebern das Benzin aus den großen Reservebehältern umfüllte. Die Hitze war derart, daß wir die Benzindämpfe in weiten durchsichtigen Spirallinien entweichen sahen, durch die hindurch die Gegenstände in zitternden Umrissen erschienen. Als wir um das stillstehende Automobil herumgingen, bemerkten wir ein neues Unglück; es fehlte ein Teil des Gepäcks, der infolge einer Lockerung der festhaltenden Stricke ins Rutschen gekommen und heruntergefallen war.
Es fehlte gerade das persönliche Gepäck des Fürsten, das irgendwo verlorengegangen war.