Die Stadt der Wüste.
Das ferne Gebirge. — Ein Bild der Verödung ringsum. — Die Stadt der Wüste. — Ein geheimnisvolles Automobil. — Auf der Antilopenjagd. — Urga.
Udde war unsere zweite Vorratstation, und wir fanden hier Benzin, Öl, Fett, das alles von Peking mit einer Karawane gekommen und in einem wirren Haufen von Paketen und Fässern in einem Winkel des Hofes beieinanderlag. Unterwegs war etwas Benzin durch die Ritzen der beschädigten Fässer gelaufen; trotzdem hatten wir zur Genüge davon, um die Behälter der Maschine zu füllen; wir ließen auch noch einige volle Behälter zurück und baten die Telegraphisten, sie unseren Kollegen für den Fall auszuhändigen, daß sie ihrer bedürften.
Am 20. Juni kurz vor Tagesanbruch kam ein Mongole von dem mehr als einen Li von der Telegraphenstation entfernten Brunnen von Udde und überbrachte uns Nachrichten. Am Brunnen hatte er Karawanenführer angetroffen, die nach einem langen Nachtmarsche von Süden her dort angelangt waren; sie hatten ihm berichtet, daß „die fremden Wagen“ am vorhergehenden Abend 180 Li (etwa 80 Kilometer) von Udde entfernt gelagert hätten. Die Entfernung erschien uns etwas übertrieben; die Karawane konnte in der Nacht nicht mehr als 100-110 Li zurückgelegt haben, und die Automobile mußten sich etwa 60 Kilometer von uns entfernt befinden. Der Fürst beschloß, zwei Tage in Urga, der Hauptstadt der Mongolei, wo wir am Abend des folgenden Tages einzutreffen gedachten, auf sie zu warten, wie wir dies auch in Kalgan getan hatten.
Im Westen funkelten noch einige Sterne, als wir nach Tauerin, der nächsten, über 300 Kilometer entfernten Telegraphenstation, aufbrachen, nachdem wir eine Tasse guten heißen Tees geschlürft und uns unter Danksagungen von unseren beiden Telegraphisten verabschiedet hatten.
Der Morgen war frisch, und wir hatten uns in unsere Pelze gehüllt, die kaum genügten, um uns zu erwärmen. Aber drei Stunden später hatten wir sie schon über die Rücklehnen unserer Sitze gelegt. Um 9 Uhr begannen wir von neuem unter den Qualen der Hitze zu leiden.
Wir hätten schwören können, daß die Hitze von Tag zu Tag zunehme; in Wahrheit aber wurde sie uns nur fühlbarer infolge der überaus großen Empfindlichkeit unserer kranken Haut. Als der Tag vorschritt, brachte uns nicht einmal der Luftzug der raschen Fahrt mehr Erleichterung. Wir hatten manchmal die Empfindung, als seien wir von dem glühenden Atem eines Ofens umgeben, als näherten wir uns allzusehr einer unsichtbaren Feuersbrunst. Der unaufhörliche, quälende Durst peinigte uns wieder; die übermäßige Trockenheit der Luft dörrte uns die Kehle aus, und es war uns, als ob wir ganz austrockneten. Das Antreffen eines Brunnens war ein Fest.
Ich erinnere mich als eines der köstlichsten Genüsse der Minuten, in denen ich meine Lippen an den Rand des mit frischem Wasser gefüllten Eimers setzen konnte. Es war ein Trinken in vollen, langen, gierigen Zügen, mit den Füßen im Schmutz, der sich um den Brunnen angehäuft hatte, das Gesicht nach unten gewandt, fast eingetaucht in das Wasser, das überfloß, in den Hals rann und sich über die Kleider ergoß; so groß war unsere Gier, rasch zu trinken, viel zu trinken, uns an der erquickenden Frische zu laben, die in Strömen in uns hineinrann.
In der mongolischen Steppe.