Er bat sie von ihrem Vorhaben abzusehen.
»Es ist nicht gut, es kann nicht gut sein« klagte er. Er bat für sie selbst und dann noch für sich. Aber sie wollte nicht hören. Und so langte sie mit ahnungslosen Kinderhänden nach dem Ungewissen und liess das Gute liegen. –
Zu Hause angekommen, sagte Thieben zum alten Brand, dass seine Nichte gemalt werden sollte und dies sehr zu begrüssen wäre, weil es ihr so viel Freude mache. Das war für den Onkel bestimmend und die Zustimmung auch von dieser Seite gesichert.
Aber das Mädchen fühlte sich bedrückt; das Geschenk war zu gross.
Die Staffelei war seit einigen Tagen im Garten der Villa vor dem roten Tore aufgeschlagen. Estella sass in schlichtem, blauen Kleide auf einer Gartenbank. »Recht lässig,« hatte der Maler Makassy gesagt. Aber sie brachte es nicht fertig; in ihr war zu viel Spannung.
»Stützen Sie sich mit dem einen Arm auf die Seitenlehne,« rief er. Aber dies sah so unwiderstehlich komisch aus, dass beide lachen mussten.
»Es wird nichts werden« rief sie, »ich sollte so eine spitzenbesetzte Prinzessin sein mit einer recht fertigen, ausgeruhten Seele; wie schön gelassen wollte ich mich vor Sie setzen!«
Das Haar trug sie einfach geknotet wie stets. »Ist meine Frisur so recht?« frug sie.
»Frisur ist das überhaupt keine« antwortete er. »Aber es ist gerade recht so wie es ist. Es soll kein Feiertagsbild werden – obwohl es jedesmal Festtag für mich ist, wenn ich kommen und Sie malen darf.«