Aber es müssen seltsame Leute sein, altmodische, die zurück sind und stehen geblieben – und feindlich geworden gegen die grosse, schnelle, bewegliche Welt.
Es war ein Abend im Mai. Die immer gleiche Einsamkeit über der Gegend. – Ein noch junger Mann, der auf einer Ruhebank oben am Buchensaum des Waldes sass, lauschte ihrer mit bangen Zügen. Er hatte sich zurückgelehnt, den Hut abgenommen und den Blick nach Westen gerichtet, wo der Himmel schon im Abendträumen lag.
Es waren ein paar aufschreiende Augen, die wie vor Feuersbrünsten standen, nicht vor einem stillen, träumigen Bilde solch schlichter Art. Diese Augen hatten wohl viel gesehen und geschaut. Schönheit und Schrecken – und sie waren beweglich geworden, ruhelos und auffahrend.
Über ihnen aber thronte das Massiv der Stirne. Das hatte sich aufgebaut und breit gemacht wie eine Festung. War gebildet und erstarkt in Trotz und Selbständigkeit. Im ganzen Antlitz lag nicht der Ausdruck des Feierns und Fertigseins, trotz aller Reife, sondern schweren, rastlosen inneren Arbeitens. Etwas mühsam Errungenes, schwer Gehaltenes. Man fühlte sogleich, hier war nicht irgend einer, sondern Einer, ein Eigener.
Müde legte er die beiden Arme auf die Rücklehne der Bank und wollte sich losreissen von dem zwingenden, rastenden Bilde, das hier so weit und gross vor ihm lag. Aber es waren tausende von Widerhaken der Schönheit in ihm, die ihn festhielten, – wie sich die ruhenden Wellen der Erde so in biblischer Breite und Feierlichkeit vor ihm hindehnten.
In wem es so friedlich aussehen könnte, wie in diesem Land! Ein gequälter Ausdruck ging über das Gesicht. Der Mensch fällt in solcher Einsamkeit auf sich selbst zurück und da muss es etwas Gutes und Lauteres sein, das von der eigenen Seele herauszieht und was einem diese Stille zurückschickt.
Und als er so sass und sich sträubte, wirbelte plötzlich helles, loses Lachen durch diese schwere Ruhe und brach die bedrückende Macht der einsamen Landschaft.
Junge Mädchen in lichten Gewändern, auf denen das letzte Tageslicht spielte, kamen leichtfüssig über die Wiese her. Sie sprangen und liefen und lachten und schrien und weder das Schlafengehen der Natur noch der unbekannte Mann da drüben vermochte sie in ihrer geräuschvollen Heiterkeit zu stören. Es lag etwas Rücksichtsloses in diesem Lärmen, wie so die lauten Stimmen unbekümmert in die Stille des Abends schlugen, – aber auch etwas Sorgloses, Glückliches, das Vorrecht der selbstherrlichen Jugend.
Wer jetzt das Gesicht des Mannes hätte sehen können, der wäre erschrocken an dem veränderten Ausdruck desselben; als wären Hunde aufgefahren, die zuerst an Ketten lagen, und hätten alles schönere Leid daraus vertrieben. Geblieben waren nur müde, dreiste Blicke, die sich rassekundig in die jungen Leiber bohrten und sie nach unschönen Werten abschätzten.