Und siehst Du, Weib, die ungestillte Sehnsucht, diese armen, stolzen Kräfte, die heischen Sättigung – ich dürste, Estella, ich darbe, ich friere – – – ich muss mich zum Hass und zum Bösen wenden, da fühl' ich starkes, heisses Leben, das mich sättigt!!!

Das Gute ist so einfach, so selbstverständlich. Hinter allem steht die Erschöpfung, aber nirgends näher als hinter dem Guten. Es geht auch so bescheiden und leise – man hört sich selber zu sehr dabei. Das Böse ist laut und aufwieglerisch, – es ist mannigfaltig und hat ein dröhnend Gefolge .....«

Er schwieg erregt, um nach einer Weile mühsam mit tonloser Stimme zu sagen:

»Doch Du verstehst mich nicht. Du bist so jung; durchsichtig, glockenklar bist Du; aber das verstehst Du nicht. Verzeih', dieses stille Land da hat sich wieder an meine Ferse geheftet.«

»Und dieses wilde Lied!« schrie sie gemartert auf und ihr Auge stand forschend vor dem seinen.

Aber ohne Antwort, tief und dunkel lag seine Nacht vor ihr.

Sie gingen beide, den Kopf zu Boden gesenkt, und horchten in sich hinein und atmeten schwer.

»Sie müssen auseinanderführen, diese Wege«, dachte sie verzweifelt. –

Dann fingen sie mitsammen zu reden an, laut und leer. –

Hilflos spannte sie auf diesem Heimwege ihr zartes Wesen weit über ihre Kräfte hinaus. Sie suchte sich ängstlich und verzweifelt über sich selbst hinauszusteigern, hinaufzuheben.