»Du Junge«, dachte der Maler, »renne nur mutig den hohen Berg hinauf, der vor dir steht. Bis du da droben atemlos ankommst, bist du von selber müder und stiller geworden und kannst ruhiger den enttäuschenden Anblick ertragen, der sich dir bieten wird. Du hast gemeint, da droben sei das Glück, ein endliches Ruhen und Verweilen; einstweilen ist dort oben nur ein schmaler, schwindelnder Felsenplatz, nicht geschaffen für Menschenrast.

Und weiter wirst du eilig müssen, wieder hinab; ein anderer hoffender Mensch, der nächste, will kommen und schauen, und freudlos wirst du hinuntersteigen, arm geworden. Der glückliche Eifer ist erloschen.

Hinuntersteigen, Schritt für Schritt, zähe, ächzende Mühsal – hinuntersteigen – – Hinunterstürzen! Enden im Werden, enden im Vortraum des Gewordenseins! – – trotze, Weib, mit deinen jungen Kräften und Sinnen und sauge dem armen Leben die Freude bis auf die letzten Reste wollüstig aus den Adern!«

So unbemerkt hatten ihn seine Gedanken wieder fortgenommen, dass er sich zurückzwingen musste ins Gegenwärtige, Gute, Einfache. – Die schlichte Idylle des Brandschen Gartens lastete auf einmal bange auf ihm. Er musste sie sich aus seinem Erinnern in weite Fernen schieben. Dort verlor sie an Wirkung.

Wollte ihn sein eigenes Lied aus diesem Paradiese vertreiben?

Sich übertönend rief er hastig und lärmend: »Fräulein Estella, Herr Brand, – warten Sie doch! Sie gehen da schnurstracks in den goldenen Himmel hinein und lassen ...«

»Den armen Makassy allein!« rief mit etwas starrem Humor das Mädchen zurück und wartete, während der Onkel weiterging. Dem war nahezu alles unausstehlich geworden, was der sagte. –

»Estella!« rief Makassy leise und leidenschaftlich und presste ihre zarten Handgelenke, dass es sie schmerzte, »schau über die Welt! Siehst Du, wie sie sich plagen?! Siehst Du, wie sie sich aufrecken, hinausdehnen über sich selbst – ewigkeitwärts?!!

Ihre Farben, ihre Klänge, ihre Bauten, ihre Altäre, die langen hinauf mit verwegener Hand nach der Gottähnlichkeit – voll Sehnsucht, voll Verlangen, voll Trunkenheit!!! Diese Trunkenheit, ja – die trägt fort über Gemeinheit, über das Menschsein, über das Erdentum!

Aber allemal in solch' kühnem Aufflug, den Gott im Auge, Gott nahe – zieht die Erdenschwere roh zurück in die eigene Erbärmlichkeit.