Ihr Leib war schwer, ihr Kopf verworren. Die Schläfen stachen, ein Übelsein überkam sie und schwerfällig schleppte sie sich zum Fenster, es zu öffnen. Der hässliche, betäubende Geruch strömte hinaus und in kalten, klaren Wogen die Nachtluft herein. –
Langsam wandte sie sich um, zurück ins Zimmer, mühselig aus sich herauskommend. Hoffnungslos geworden. Angestrengt musste sie sich besinnen auf alles um sich her – –
Was sah sie dort in der Ecke des Zimmers? Was war das? Sie sperrte die Augen auf, um durch all den Nebel sehen zu können. Drang dort nicht ein dicker Qualm aus den Fugen einer Schublade – – was war das?
Aber sie konnte nicht mehr erschrecken, – in dieser Stunde hatte sie es verlernt.
Die junge Seele, die so gerne aufgestiegen wäre in erhabener Linie, wie ein schönes Lied, war lahm geworden.
Sie kämpfte diese schwerste Stunde ihres Lebens mit Todesmut. Krampfhaft presste sie die kalten Hände in einander und fühlte unaufhaltsam eine schwere, erdrückende Last auf ihre armen Gedanken heruntersinken, so dass sie ihnen mühsam klare Erinnerung an das Geschehene entringen musste.
Einen Sieg hatte sie errungen, einen Sieg ohne Freude, und dafür ihr heisses Glück hingegeben.
Warum jubelte sie denn nicht auf, sie, Estella, die Reine, – wo war denn der Glanz ihrer Selbstherrlichkeit hingekommen? Jetzt, in der Not, da war er von dannen geschlichen – –
Dass solcher Schrecken nicht tötet?!
Ihre Gedanken standen auf und sahen entsetzt umher – weit hinaus – hinaus in die Zukunft – da gab es Leid und Qual – zähe Jahre der Erinnerung – ein elendes Leben.