Sie wehrte sich: »Ich bin Estella Brand – siehst Du das nicht?! – – Ich frage Dich zum letzten Mal – – –!!«
»Was liegt daran!?« fiel er ihr atemlos ins Wort.
Verzweifelt schrie sie auf in höchster Not. »An mir liegt nichts!!! Nimm mich!! – Nimm alles, nimm mein Leben!!! – Nur darf es so nicht geschehen – –
In dieser Stunde verstehe ich die Kraft, die in Dir liegt, die zum Bösen greift, zum Morde, zum Verbrechen – – aber wohin jetzt sich Deine Sinne wenden, da seh' ich weder Kraft noch Schönheit. Du bist abgekommen von den Wegen, wohin ich Dir folgen kann, wohin ich Dir nachgerast – händeringend – Du bist auf anderer Fährte – abwärts – – – – –
Da hinunter kann ich nicht, fühlst Du das nicht? – – der Ekel, Makassy ..... der Ekel – –!!!«
Lockend, sich überstürzend mit leiser, bebender, verheissender Stimme rief er, sie zu umfassen suchend:
»Unten bist Du, Estella, oben bin ich! Komm zu mir! Du – Du klebst an der Erde, Du lässest Dir vom Nächstbesten sagen, was recht ist und rein, Du lässest Dir vom Nächstbesten entscheiden über Gut und Böse – – – geben Weib – geniessen, verderben, – aber weg über die schüchterne engbrüstige Welt, die Dir den Atem nimmt, – – eigener Flug in trunkenem Zorn, in trunkener Lust!!! – Lass die Seele, die die Menschen verstümmelt haben, die fromme, bange – ohne Lust und Weh: sie betrügt Dich um das heisse Leben – lass die Tugend: sie betrügt Dich um Dein junges Blut – lass die Reue: sie betrüge Dich um den Sinnenglanz – lass das Gute: es betrügt Dich um die Satanslust des Bösen, – – lass die Reinheit, sie hat Mass und Art!!! – In der Niedrigkeit liegt Lust und Raserei!! – – Tier sein, wer nicht Gott werden kann!!! Mensch sein ist erbärmlich! Vergiss ........... komm ausser Dich!! ..... Schenke .... strauchle ... sinke ..... sinke Weib!!! Dann sind wir erlöst .....«
Und so wollte er sie umfangen, – – zügellos, entartet – ausbrechend – mit weit offenen, brennenden Augen.
Aber ein Blitz zuckte auf! Estella ward wach – sie hatte entschieden!! – Pfeilgerade stand sie da, Kraft gegen Kraft, – erhoben das Haupt, – unbeweglich das Antlitz. Als wäre sie aufgewachsen weit über ihn – unerreichbar – – –
Da wich er von ihr zurück und auflachend wie ein Kranker warf er sich in die Kissen des Ruhebettes und verbarg sein Gesicht. – – –