Makassy erhob sich. Alt und elend mit leeren Augen in dunkeln Höhlen – aber hochmütig, undurchdringlich. Das zerwühlte Haar klebte wirr an seiner Stirne und zeichnete entstellende Linien in das bleiche Antlitz – – und dennoch, wie sie umherirrte in diesem Gesichte – spähend, aufgeregt, atemlos – sie fand nicht was sie suchte, sie fand nicht was sie erflehte, – sie musste achten – – und ihr Elend türmte sich auf! –
Er sah umher in dem verwüsteten Raum; Blicke und Gedanken blieben auf jener Schublade dort liegen, aus der der Rauch drang. Von da war es ausgegangen, dahin war vorher sein Blick auch gefallen, von da hatte er wie an einem einzigen Faden das ganze Netz seiner Ideen aufgezogen, von da, wo der Schuh der leichtsinnigen Tänzerin, den er aus den Flammen der alten Briefe gezogen hatte, fortzuglimmen schien und zu rauchen begann. Da war sie vor ihm aufgefunkelt, die schöne Spanierin, in einstigem Glanz – und hatte höhnisch aufgeblickt und ihm mit ihren wilden Augen zur rechten Zeit gerufen, als er begann sich zu verirren – sich zu verlieren – zu verfahren in toten Geleisen.
Diega Felipa prangte vor ihm auf in berückender Kraft und Fülle, in bachantischer Lust! Und die Luft, die ihr Tanz vertrieb, fuhr ihm verwirrend über das Gesicht. Die blauschwarzen Lockenringel peitschten – wie damals – ihre braunen, nackten Glieder bei den wilden, heissen Tänzen – wie damals, wo sie die Schleier jauchzend zerriss und ihr grosses, glühendes Auge hinschoss zu ihm, aufloderte, und sie ihm zurief:
»Nimm!! – Wie Du willst ...... für Deine Kunst und – für Dich!«
Grossartig war das! Voll Pracht und Grösse. Da gehörte er hin, in diese Arme, das war sein Reich! Königspaläste! – – Königsgeschenke gibt, wer sich lachend verschenkt, wer lachend sein Schicksal in den Wind zerstreut!!
Entfesselt, Dirne, hast Du mich, – jetzt ist es vorbei mit den frommen Episoden! Ihn ärgerten auf einmal diese weit offenen, staunenden Mädchenaugen – – dieses Warten und Prüfen und Klagen und Denken, wie feige das war, wie bettelarm, – – ja, ja, sie hatte sich verbildet, verstümmelt und nun Krücken statt der Flügel. Sie kannte diese Trunkenheit nicht, die sich über das Menschtum aufbäumt, die der Gottheit trotzt und taumelnd zu den Tieren geht!
Sie suchte das Rechte in den engen Winkeln armseliger Erdenmoral – er konnte nicht mit ihr gehen. »Ich kann nicht mich selbst begraben gehen.«
Schwerfällig bewegte er sich gegen sie hin und sagte hart und kalt aus seinen Gedanken heraus:
»Du hast es gut gemeint, Estella – aber es war umsonst!« –
»Die Vergangenheit hat ihn zurückgefordert,« dachte sie mit letzter Anstrengung.