Und sie wandte sich zum Gehen ohne ein Wort. An der Türe drehte sie sich noch einmal um und sah mit verhüllten, begrabenen Augen nach ihm zurück.
Diese Augen schauten ihn noch an, als sie lange, lange schon gegangen war und er liess sie gesättigt jedesmal auf sich liegen – ein Zerstörungsbild. –
Jetzt war die Klinke ins Schloss gefallen – kurz und knapp – und in des Mädchens umdüsterter Seele das letzte Licht erloschen. – –
Furchtlos schritt sie durch die dunkle Stadt zurück. Die Häuser, die sie vorher so drohend und unheilvoll umstanden und umlauert hatten, lagen in weiten Fernen und Nebeln; die gingen sie nichts mehr an. –
Aus einem Gasthause kam laut lachend eine grössere Gesellschaft. Durch die offenstehende Türe fiel ein breiter Lichtstreifen über die dunkle Strasse. Aber ganz gleichmässig ging sie Schritt für Schritt vorwärts; vom Schatten in das Licht und vom Lichte wieder in den Schatten.
Als trüge sie ein schweres, übervolles Gefäss, das nicht ins Schwanken kommen darf, so sicher und gleichmässig ging sie, – so vorsichtig, doch eigentlich ohne Vorsicht.
Die Leute steckten die Köpfe zusammen, das war ja unerhört, was sie hier sahen! »Wenn es nur schon Morgen wäre«, dachten sie. –
Am andern Tage kam Berta, der Backfisch, an Brand's Gartenzaun vor dem roten Tore draussen vorbei und als sie Estella dahinter sah, wurde sie dunkelrot und verdoppelte ihren Schritt, um eilends daran vorbei zu kommen.
Estella sah es wohl. Gleichgiltig ging sie ins Haus hinein und nach einer Weile wieder aus ihm heraus. – Sie tat alles, was so der Tag mit sich brachte. Arbeiten, essen, lesen, schlafen, – nur unterschied sich keines von dem andern.