Der Graf lächelte. Madame de Tombel hatte sich erhoben und sagte.
„Sie tun mir leid, Aimé, aber wirklich, Sie sind nicht bei Troste.“
„Beruhigen Sie sich, teure Madame de Tombel,“ sagte der alte Graf und küsste ihre Hand.
„Kanaille!“ stiess ich, aufspringend, hervor, „heute noch verlasse ich dein widerliches Haus!“
„Um so besser. Apropos, vergessen Sie nur nicht den gestohlenen Schlüssel abzugeben,“ warf Louise hin.
Viertes Kapitel
Ich weiss nicht, wie ich auf die Brücke gelangte; es war augenscheinlich schon spät, denn die Lichter in den Buden am Kai waren verlöscht und niemand kam vorüber. Müde vom Umherirren durch unbekannte Strassen, von Liebe, Eifersucht und Wut zerrissen, ohne mir sagen zu können wohin ich meine Schritte lenken solle, lehnte ich mich ans Brückengeländer und begann in den schwarzen Fluss hinunterzustarren, auf dessen vom Winde gekräuseltem Wasser der Widerschein einiger weniger Sterne zitterte. Der Gedanke an Selbstmord lockte und schreckte mich zugleich. Die Hauptsache war, dass man dann nicht an die Zukunft zu denken brauchte. Aber das Wasser ist so dunkel, wahrscheinlich sehr kalt; beim Ertrinken steht so viel unwillkürlicher Kampf mit dem Tode bevor, es ist dann schon besser sich zu erhängen, das kann man auch am Tage tun, wenn alles viel heiterer ist. Unter solchen Gedanken hatte ich nicht bemerkt, dass ein Häuflein Menschen mit einer Laterne die Brücke betreten hatte; alle waren der Kälte wegen in ihre Mäntel eingewickelt, den Stimmen nach konnte man annehmen, dass die Gesellschaft aus zwei Frauen und vier Männern bestand. Als die Leute an mich herangekommen waren, leuchtete der Laternenträger mir ins Gesicht und sagte mit grober Stimme:
„Was ist das für ein Kerl? Ein Selbstmordkandidat?“
„Ha! ein bekanntes Gesicht,“ kam es aus der Gruppe, „ist das nicht gar das Küken von Madame de Tombel, der bezaubernden Louise?“
„Ein Aas — diese Dame,“ sagte eine heisere Frauenstimme.