„Ich kann es nicht glauben!“ . . . rief Wanja erregt aus.

Der Grieche rauchte schweigend seine Zigarette und blickte lächelnd auf Wanja.

„Was für ein Prachtmensch, wie gut Sie sind!“ strömte der über.

„Es ist mir sehr angenehm, nicht allein zu reisen; wir werden natürlich unterwegs ökonomisch sein, nicht in allzu feinen Hotels, sondern in einheimischen Gasthäusern absteigen.“

„Oh, das wird nur noch lustiger sein!“ freute sich Wanja.

Und bis zum frühen Morgen sprachen sie von der Reise, bestimmten, wo sie Station machen wollten, die Städte, Orte, entwarfen Pläne für Ausflüge — und als Wanja im hellen Sonnenschein auf die grasbewachsene Strasse hinaustrat, wunderte er sich, dass er noch in Wassil sei und noch die Wolga und die dunklen Wälder vor sich sähe.

Dritter Teil

Sie sassen nach dem ‚Tannhäuser‘ zu dreien im Café auf dem Corso und inmitten des geräuschvollen unverständlichen italienischen Stimmengewirrs, beim Klappern der Teller und Gläser mit Gefrorenem, unter den fernen Klängen des Streichorchesters, die durch den Tabaksqualm herüberdrangen, fühlten sie sich vor der bald bevorstehenden Trennung fast intim, besonders freundschaftlich gestimmt. Der Offizier mit einem ganzen Hahnenflügel auf dem Hute und die beiden Damen, die schwarz, aber auffallend gekleidet, am Nebentische sassen, schenkten ihnen keine Aufmerksamkeit und durch die Tüllgardinen des offen stehenden Fensters konnte man die Strassenlaternen, die vorüberfahrenden Equipagen, und die über Trottoir und Fahrdamm vorbeigehenden Fussgänger sehen und man hörte das Rauschen des Springbrunnens auf dem nahen Platze.

Wanja hatte seine Gymnasiastenuniform gegen Zivilkleider vertauscht, die ihm, trotzdem sie ganz gewöhnlich waren, eine gewisse Eleganz verliehen, ohne das Knabenhafte seines Äusseren zu beeinträchtigen. Er sah blass, hoch und schlank aus. Daniil Iwanowitsch, der ‚in der Eigenschaft des Mentors eines reisenden Prinzen‘, wie er scherzend zu sagen pflegte, seinen jungen Freund überallhin begleitete, plauderte jetzt wohlwollend und gönnerhaft mit ihm und Ugo Orsini.

„Immer, wenn ich diese erste Szene in der zweiten, der Fassung jenes Wagner höre, der schon den Tristan geschaffen, fühle ich ein wundersames Entzücken, einen prophetischen Schauer, wie bei den Bildern Klingers und der Poesie d’Annunzios. Diese Tänze der Faune und Nymphen, diese leuchtenden, strahlenden, niedagewesenen, aber bis zum Schmerze tief vertrauten antiken Landschaften, die sich plötzlich auftun, die Erscheinungen der Leda und Europa, diese Amouretten, die wie auf Botticellis ‚Primavera‘, auf die Bäume und die tanzenden und unter ihren Pfeilen in schmachtenden Stellungen ersterbenden Faune schiessen — und das alles vor Venus, die mit überirdischer Liebe und Zärtlichkeit Tannhäusers Schlaf hütet, das ist alles, wie der Hauch eines neuen Frühlings, einer neuen, heiss aus dunklen Tiefen aufsteigenden Leidenschaft für das Leben und die Sonne!“ Und Orsini wischte sich das blasse, glattrasierte, bereits voll werdende Gesicht mit den schwarzen glanzlosen Augen und dem fein gewundenen Munde.