„Es ist dies das einzige Mal, dass Wagner die Antike berührt,“ bemerkte Daniil Iwanowitsch, „ich habe mehr als einmal diese Szene mit Venus, jedoch vor der Bearbeitung, gesehen und mir gedacht, dass sie dem Gedanken nach mit ‚Parsifal‘ verwandt ist und mit diesem die grösste der Wagnerschen Konzeptionen darstellt; aber ich begreife ihren Schluss nicht und mag ihn auch nicht gelten lassen: wozu diese Entsagung? Wozu dieser Asketismus? Weder der Charakter von Wagners Genius, noch sonst etwas lockte zu solchen Ausklängen!“
„Musikalisch harmoniert diese Szene nicht sonderlich mit dem früher Geschriebenen, und Venus ist ein wenig Nachahmung von Isolde.“
„Sie, als Musiker, müssen das besser wissen, aber der Gedanke, die Idee, das ist schon des Dichters, des Philosophen Gebiet.“
„Der Asketismus ist eigentlich die naturwidrigste aller Erscheinungen, und die Keuschheit gewisser Tiere ist nichts anderes als Fabel.“
Ihnen wurde hartes Gefrorenes und Wasser in grossen Gläsern auf hohen Füssen serviert. Das Cafe begann schon leer zu werden und die Musikanten wiederholten bereits ihre Stücke.
„Reisen Sie schon morgen?“ fragte Ugo, an der roten Nelke in seinem Knopfloch nestelnd.
„Nein, ich möchte noch von Rom Abschied nehmen und etwas länger mit Daniil Iwanowitsch zusammenbleiben,“ sagte Wanja.
„Sie gehen nach Neapel und Sizilien? Und Sie?“
„Ich gehe mit dem Kanonikus nach Florenz.“
„Mit Mori?“