„Ich werde mich freuen. Sie wissen, Monsignore finden Sie immer in der Kathedrale, und er wird meine Adresse kennen.“
„Ich steige bei der Marchesa Moratti ab, Borgo Santi Apostoli. Bitte, kommen Sie ohne Umstände, die Marchesa lebt allein und wird sich freuen. Sie ist meine Tante und ich bin ihr Erbe.“
Orsini lächelte süsslich mit den dünnen Lippen im weissen, voll werdenden Gesicht mit den schwarzen glanzlosen Augen und die Ringe an seinen Fingern mit den kurzgeschnittenen Nägeln und der entwickelten Muskulatur des Pianisten funkelten im elektrischen Lichte.
„Dieser Ugo sieht aus, wie ein Giftmischer, finden Sie nicht?“ fragte Wanja seinen Begleiter, als sie den Corso hinauf nach Hause gingen.
„Welch ein Einfall! Er ist ein lieber Mensch, nichts weiter.“
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Trotzdem ein feiner Regen herabsickerte, der in Bächlein neben dem Fusssteige den Berg hinunterfloss, war die Kühle des Museums erwünscht und angenehm. Nachdem sie im Kolosseum, auf dem Forum und dem Palatin gewesen waren, standen sie, ganz zum Schluss, kurz vor der Abreise, fast allein im kleinen Saale vor dem „Laufenden Jüngling“.
„Nur der Torso des sogenannten ‚Ilioneus‘ kann sich an Schönheit und Leben mit diesem Jünglingskörper messen, an dem man unter der weissen Haut das rote Blut sehen kann, an dem alle Muskeln berauschend schön und bestrickend sind. Das Fehlen der Arme und des Kopfes stört uns heute nicht weiter. Der Körper selbst, die Materie wird untergehen, angenommen sogar, dass die Werke der Kunst, Phidias, Mozart, Shakespeare, zugrunde gehen werden, aber die Idee, der Schönheitstypus, die in ihnen leben, können nicht untergehen, und das ist vielleicht das einzig Wertvolle in der wechselnden und vergänglichen Buntheit des Lebens. Und wie grob auch die Verwirklichung dieser Ideen sein möge, sie sind göttlich und rein; wurden nicht in den religiösen Praktiken die höchsten Ideen des Asketismus in einen wilden, fanatischen, aber vom Symbol, das er in sich trug, erleuchteten Kultus eingekleidet, und blieben sie nicht göttlich?“
Bei den letzten Ermahnungen vor dem Abschiede sagte Daniil Iwanowitsch:
„Folgen Sie mir, Smurow; wenn Sie geistlichen Zuspruch brauchen, wenn Sie sich billig einrichten wollen, dann wenden Sie sich an Monsignore, aber wenn Ihnen Ihr Geld ganz ausgehen sollte, oder wenn Sie einen klugen und vortrefflichen Rat brauchen — wenden Sie sich an Larion Dmitrijewitsch. Ich werde Ihnen seine Adresse geben. Einverstanden? Versprechen Sie mir das?“