„Kann ich mich denn wirklich an niemand anders wenden? Ich täte es so ungern.“
„Ich habe niemand, der zuverlässiger wäre; suchen Sie dann schon selbst.“
„Und Ugo? Wird er mir nicht helfen?“
„Kaum, er sitzt selbst immer ohne Geld. Ich begreife wirklich nicht, was Sie gegen Larion Dmitrijewitsch haben, dass Sie sich nicht einmal brieflich an ihn wenden können! Was ist geschehen, das diese Veränderung triftig erklären könnte?“
Wanja sah lange die Büste des jugendlichen Marc Aurel an, ohne zu antworten, dann begann er schliesslich monoton und langsam:
„Ich lege ihm keine Schuld zur Last, ich habe nicht die Spur von Recht, mich über ihn zu ärgern, aber es tut mir unsäglich leid, dass ich, seitdem mir gewisse Dinge bekannt geworden sind, mich, unabhängig von meinem Willen, zu Stroop nicht mehr stellen kann, wie früher; das hindert mich, in ihm den erwünschten Führer und Freund zu erblicken.“
„Welch eine Romantik, wenn es bloss nicht auswendig gelernt klingen würde! Sie sind wie die ‚ätherischen‘ Fräuleins seligen Angedenkens, die sich einbildeten, ihre Verehrer müssten glauben, dass Jungfrauen weder essen, noch trinken, noch schlafen, noch schnarchen, noch sich die Näschen putzen. Jeder Mensch hat seine natürlichen Verrichtungen, die ihn keineswegs erniedrigen, wie unangenehm sie einem anderen auch sein mögen. Auf Fjodor eifersüchtig sein, heisst sich selbst mit ihm auf eine Stufe stellen, als hätte man dieselbe Bestimmung, denselben Zweck, wie er. Wie wenig geistreich das auch sein möge, es ist immerhin noch besser als romantische Prüderie.“
„Lassen wir das alles; wenn es anders nicht möglich sein wird, werde ich an Stroop schreiben.“
„Und werden gut daran tun, mein kleiner Kato.“
„Sie selbst haben mich ja Kato verachten gelehrt.“