„Also auf Wiedersehen in Florenz,“ sagte Orsini, Wanja die Hand drückend.
„Ja, morgen reise ich.“
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Sie lagen alle auf den bunten gesteppten Polstern, mit denen die Fensterbretter belegt waren: Signora Poldina und Filumena in einem, Scholastica mit der Köchin Santina im anderen Fenster, als Monsignore mit Wanja durch die schmale, dunkle und kühle Gasse vor dem alten Hause mit dem eisernen Klopfring statt einer Klingel, vorfuhr. Als die erste Woge des Lärmes, der Freudenrufe und Schreie bei der Begrüssung verebbt war, liess Signora Poldina allein den Strom ihrer Beredsamkeit sich ergiessen.
„Ullyss sagt, ‚ich bringe einen russischen Signor mit, er wird bei uns leben‘. Ullyss, du scherzest, niemals hat jemand bei uns gelebt; er ist ein Prinz, ein russischer Edelmann, wie werden wir ihn verpflegen? — Ja, was dem Bruder einfällt, das macht er auch. Wir dachten, dass der russische Signor gross und dick sein werde, wie Herr Buturlin, den wir hier gesehen haben, und jetzt kommt dieser Knabe an, so ein schlanker, so ein Täubchen, so ein Cherubino,“ und die greisenhafte Stimme Signora Poldinas klang in süssen Kadenzen aus.
Monsignore führte Wanja in die Bibliothek, um ihm seine Bücher zu zeigen und die Schwestern entfernten sich in die Küche und in ihr Zimmer. Monsignore stieg, die Soutane hochgerafft, auf der Leiter empor, so dass man seine dicken mit zu Hause gestrickten schwarzen Strümpfen bespannten Waden und die übermässig derben Schuhe sehen konnte; er las laut mit der Intonation des Geistlichen die Titel der Bücher, die seiner Meinung nach Wanja interessieren konnten und überging die übrigen schweigend. Er war trotz seiner fünfundsechzig Jahre stämmig und rotbäckig, eigensinnig, beschränkt und lehrhaft. Auf den Bücherbrettern standen und lagen italienische, lateinische, französische, spanische, englische und griechische Bücher. Thomas von Aquino neben Don Quixote, Shakespeare mit Heiligenlegenden, Seneka mit Anakreon zusammen.
„Ein konfisziertes Buch,“ erklärte der Kanonikus, der den erstaunten Blick Wanjas aufgefangen hatte und einen kleinen illustrierten Band Anakreon beiseite schob: „Hier gibt es viele, bei meinen Beichtkindern konfiszierte Bücher. Mir können sie keinen Schaden antun.“
„Das ist Ihr Zimmer!“ sagte Mori, Wanja in einen grossen quadratischen Raum führend, der mit bläulichen Tapeten ausgeklebt war. Vor den Fenstern hingen weisse Vorhänge, in der Mitte des Zimmers stand ein Himmelbett; den Schmuck der ziemlich kahlen Wände bildeten ein paar Stiche von Heiligen und der Madonna ‚vom guten Rat‘, ein einfacher Tisch, das Bücherbrett mit Erbauungsschriften, die bemalte Wachsfigur des heiligen Luigi Gonzaga, in ein aus Stoff genähtes Kleid enfant de choeur gehüllt, unter dem Glassturz auf der Kommode, das Weihwasserbecken an der Tür vervollständigten die Einrichtung des Zimmers und gaben ihm das Aussehen einer Klosterzelle, das nur durch das Pianino an der Balkontür und den Toilettentisch am Fenster beeinträchtigt wurde.
„Die Katze, ach, die Katze, wirst du wohl gehen!“ und Poldina stürzte sich auf den fetten weissen Kater, der zur Vervollständigung der Feier im Saal erschienen war.
„Weshalb verjagen Sie ihn denn? Ich liebe Katzen sehr,“ bemerkte Wanja.