„Haben Sie auch über Tiberius geschrieben, cher père?“

„Gewiss.“

„Auch über sein Leben auf Capri, erinnern Sie sich, wie es bei Sueton beschrieben wird?“

Mori fühlte sich getroffen und meinte hitzig:

„Sie haben recht, mein Freund! Es ist fürchterlich! Und von diesem Fall, aus dieser Kloake konnte nur das Christentum, die heilige Lehre, das Menschengeschlecht erretten.“

„Gegen Kaiser Hadrian sind Sie nachsichtiger?“

„Das ist ein grosser Unterschied, mein Freund, hier handelt es sich um etwas Höheres, obgleich es natürlich eine schreckliche Gefühlsverirrung bleibt; aber selbst durch die Taufe geläuterte Männer haben nicht immer erfolgreich gegen diese anzukämpfen vermocht.“

„Ist es aber, im Grunde genommen, in jedem einzelnen Falle nicht ganz dasselbe?“

„Sie befinden sich in einem schrecklichen Irrtum, mein Sohn. Bei jeder Handlung ist das Verhältnis zu ihr wichtig, ihr Zweck, wie die Ursachen, die sie veranlasst haben; die Handlungen selbst sind mechanische Bewegungen unseres Körpers, unfähig irgend jemand zu kränken, am allerwenigsten Gott, den Herrn.“ Und er schlug das Heft wieder an der Stelle auf, wo er seinen dicken Daumen hineingeschoben hatte.

*