Die Uhr schlug zwölf. Ich musste irgend etwas tun. Ich fasste die Hand de Sauciers, der noch immer zur Wand gekehrt dalag, und begann sie zu küssen, während mir selbst die Tränen aus den Augen flossen.

„Lösch die Kerze aus, der Alte wird schimpfen. Und ich tu dir wirklich leid?“ flüsterte François und umarmte mich in der Dunkelheit.

Siebentes Kapitel

François war verstimmt, er hatte aufgehört zu trinken, wurde noch frömmer, als er es schon immer gewesen, lag oft im Bett, und unsere freundschaftlichen Gespräche, vor denen ich die Angst verloren hatte, während die Neugier immer lebhafter wurde, schienen ihn nur wenig zu zerstreuen. Mit zärtlicher Sorge suchte ich sein Leid zu mildern. Einmal stieg ich, um etwas zu holen, in das obere Stockwerk und fand François auf dem Treppenfenster sitzen. Die Kleiderbürste lag neben ihm, er war in Gedanken versunken und schien die Landschaft nicht zu sehen, auf die seine Augen gerichtet waren. Aus dem Fenster konnte man die roten Dächer der niedrigeren Gebäude überschauen, ein Stückchen der Seine schimmerte in der Ferne, über ihr blaues Wasser schossen Boote mit vom starken Winde geschwellten Segeln vorüber, am anderen grünen Ufer stand eine Reihe grauer Häuser, Vogelschwärme zogen unter dem wolkenlosen Himmel dahin. Ich rief François an.

„Bist du müde?“ fragte ich, in sein blasses Gesicht blickend.

„Ja, ich kann nicht mehr länger so leben! . . . Und ich wollte dir das schon längst sagen, Aimé, der du jetzt mein einziger Freund und Genosse bist: weisst du woran ich die ganze Zeit denke, was mich beunruhigt und mich immer bleicher werden lässt?“

„Vielleicht bist du jetzt erregt und sagst es mir lieber hernach?“

„Nein, es ist einerlei, ich habe beinahe schon meinen Entschluss gefasst. Siehst du,“ der Marquis machte eine Pause und fuhr schneller und im Flüsterton fort. „Ich bin der einzige und legitime Sohn des Herzogs — er ist reich, aber du siehst wie er mich behandelt, schlechter, als einen Lakai. Später wird das Geld, sowieso, mir gehören, wenn ich es vielleicht nicht brauchen werde. Das Leben meines Vaters wird sich in nichts ändern, wenn er nicht mehr dieses mir bestimmte Geld bewachen wird. Und so habe ich denn beschlossen es selbst schon jetzt zu nehmen.“

„Du willst deinen Vater bestehlen?“ rief ich aus.

„Wenn du willst — ja!“ und er begann wieder darüber zu reden und bat mich, ihm behilflich zu sein.