„Ist das alles?“ fragte de Saucier, sich erhebend, leise.
„Alles,“ antwortete Suzanne tonlos, wie vorher.
„Ich danke Ihnen, Sie haben uns einen guten Dienst geleistet,“ sagte François, legte Geld auf den Tisch vor die noch immer regungslos dasitzende Frau und trat mit mir auf die Strasse hinaus.
Neuntes Kapitel
Ich wollte unten, in François’ Zimmer, warten, um aufzupassen, ob nicht jemand komme, und nach oben laufen, wenn meine Hilfe nötig werden sollte.
Als de Saucier fortging, steckte er ein Messer in die Tasche, küsste mich und sagte:
„Genossen auf Leben und Tod?“
„Auf Leben und Tod,“ antwortete ich, vor Kälte zitternd. Seine Schritte waren verklungen; eine unter den Tisch gestellte Kerze beleuchtete nur spärlich das Zimmer, den Tisch, eine Flasche und zwei halbgeleerte Gläser mit Montrachet. Die Zeit verstrich unglaublich langsam; ich fürchtete mich, im Zimmer auf und ab zu gehen, um nicht den schlafenden Maturin zu wecken, deshalb sass ich am Tisch und betrachtete, den Kopf auf die Hand gestützt, mechanisch die Bank, das Bett des Marquis, den Sack, den wir für die Flucht vorbereitet hatten, das Gebetbuch und den Rosenkranz, den de Saucier nach der Kirche fortzuräumen vergessen hatte. Jemand kam die Treppe herunter, ich horchte auf: de Saucier trat bleich, mit einer Schatulle in der Hand, ins Zimmer. Das Messer fiel aus seiner Hosentasche. Er stellte die Schatulle auf den Tisch, füllte das Weinglas und schlürfte gierig den im Lichte der wieder hervorgeholten Kerze goldig schimmernden Wein.
„Schlief er?“ fragte ich. François nickte mit dem Kopfe.
„Alles?“ fragte ich wieder, auf die Schatulle deutend. Er nickte wieder stumm und streckte sich plötzlich mit unter dem Kopfe verschränkten Armen aufs Bett aus.